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SCHWERPUNKTE

4. Plenum der Deutschen Islam Konferenz (DIK)

Das Plenum der DIK hat am 25.06.2009 zum 4. Mal in Berlin getagt, um über Lösungsvorschläge für ein besseres Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen in Deutschland zu beraten. Die Gemeinsamkeit der Teilnehmer lag darin, dass man den Dialog weiterführen möchte und weniger darin, dass bereits über viele Ergebnisse Konsens erzielt worden wäre. Während der DIK-Vorsitzende, Bundesinnenminister Dr. Schäuble öffentlich die Erfolge der DIK hervorhebt, lässt sich indes auch der große Zwiespalt nicht leugnen, der vor allem den an der DIK teilnehmenden Islamrat von der Plenumsmehrheit unterscheidet. Der Islamrat trägt weder die Kompromisse zum Thema „Sicherheit und Islamismus“ mit noch die zur „Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“.

Allerdings wird die Position des Islamrats auch von Muslimen ganz mehrheitlich abgelehnt. Überhaupt zeigte sich, dass die Seite der Muslime sehr heterogen ist. Die „nicht organisierten“ Muslime treten viel klarer für die Integration ein und sprechen dabei wohl für die Mehrheit der Muslime. Aus diesem Kreis wurde der Wunsch geäußert, dass es auch vor Ort in Kommunen einen Dialog unter Einbeziehung „nicht organisierter“ Muslime geben möge. Der DStGB hat mehrfach über Integrationsdialoge berichtet, die es in kleinen (Stadt Lohne) und in großen Städten (Wiesbaden) bereits gegeben hat. Bei einem solchen Dialog können die Beteiligten vor Ort selber entscheiden, wer daran teilnimmt und so könnten Gruppierungen, die selbst essenzielle Grundlagen des Dialogs (z.B. zu „Sicherheit und Islamismus“ oder zur „Gesellschaftsordnung und Wertekonsens“) nicht mittragen, außen vor gelassen werden. Der DStGB wünscht eine Fortsetzung des Dialogs auf verschiedenen Ebenen.

Den Teilnehmern des 4. Plenums der Deutschen Islam Konferenz lagen die umfangreichen Papiere der DIK-Arbeitsgruppen vor, die auch der Öffentlichkeit unter www.deutsche-islam-konferenz.de als Download zur Verfügung gestellt werden:

Die neue Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gibt einen umfassenden Überblick zur Zahl der Muslime, zur religiösen Praxis und zu verschiedenen Aspekten der Integration. Danach leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland. Rund die Hälfte der in Deutschland lebenden Muslime aus den berücksichtigten Herkunftsländern sind bereits deutsche Staatsangehörige. Nachdem ca. 6.000 Personen aus 49 muslimisch geprägten Herkunftsländern befragt worden sind, liegt nun die erste bundesweit repräsentative Datenbasis zum muslimischen Leben in Deutschland vor. Sie zeigt, dass Religiosität bei Muslimen zwar oft eine große Rolle spielt, dass diese aber ganz überwiegend nicht mit der Zugehörigkeit in einer religiösen Organisation einhergeht: Nur ca. 20 % der Muslime sind in religiösen Vereinen und Gemeinden organisiert. Weniger als 25 % der Muslime fühlen sich ohne Einschränkung von den in der DIK präsenten islamischen Verbänden vertreten. Eine Mehrheit der Muslime kennt die muslimischen Verbände nicht einmal. Mehr als die Hälfte der Muslime über 16 Jahre sind Mitglied in einem deutschen Verein, nur 4 % sind ausschließlich Mitglied in einem herkunftslandbezogenen Verein.

Insgesamt zeigte sich ein hohes Maß an Verbundenheit hier lebender Muslime mit Deutschland: 41,3 % gaben an, ihre Verbundenheit mit Deutschland sei stärker, während nur 22,6 % eine stärkere Verbundenheit mit dem jeweiligen Heimatland angaben. 36 % gaben eine gleiche Verbundenheit zu Deutschland wie auch zum Heimatland an.

Die Publikation "Drei Jahre Deutsche Islam Konferenz" stellt u.a. Vorträge aus den Arbeitsgruppen der DIK sowie ergänzende Initiativen und Modellprojekte zum interreligiösen Dialog und zur Integration von Muslimen vor. Die Arbeitsgruppen und der Gesprächskreis der DIK haben sich mit Fragen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft, der Integration des Islams in unser Religionsverfassungsrecht, mit der Rolle der Medien und der Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Sicherheitsbehörden in Deutschland befasst.

Die Arbeitsgruppe 1 hat sich insbesondere mit der Frage beschäftigt, wie der Wertekonsens, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Integration von Muslimen in Deutschland alltagspraktisch gefördert werden können. Die Situation an Schulen, als Abbild der Gesellschaft von morgen, und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen standen dabei im Mittelpunkt der Erörterungen. Als Ergebnis legen die Vertreter der Muslime der Arbeitsgruppe gemeinsam Schlussfolgerungen vor, die den Konsens, aber auch die unterschiedlichen Positionen in der Arbeitsgruppe darstellen. Deutlich wurde zugleich, dass die Muslime der DIK die Konferenz als eine Plattform auch des innermuslimischen Dialogs aktiv annehmen und über sie an
gesellschaftlichen Debatten teilhaben.

Die Schlussfolgerungen der Arbeitsgruppe 2 zeigen, basierend auf den Erfahrungen der Kultusbehörden der Länder und Schulpraktiker, Wege zum Umgang mit religiös begründeten schulpraktischen Fragen auf und machen Vorschläge, wie bestimmte Konfliktsituationen in der Schule im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten konstruktiv und einvernehmlich gelöst werden könnten. Sie nehmen ferner Stellung zu den künftigen Möglichkeiten und Zielen einer in Deutschland verwurzelten Imamausbildung. Schließlich schaffen sie eine Grundlage für die zu lösenden Fragestellungen im Zusammenhang mit der von allen Arbeitsgruppenmitgliedern befürworteten Einrichtung islamisch-theologischer Lehreinrichtungen in Deutschland.

Der Beitrag der Arbeitsgruppe 3 verdeutlicht erneut die Relevanz einer verantwortungsvollen und differenzierten medialen Berichterstattung über den Islam und die muslimischen Mitbürger für eine aufgeklärte und konstruktive Diskussionskultur über eine gemeinsame Zukunft.
Dazu bedarf es auch einer effizienteren Öffentlichkeitsarbeit der muslimischen Verbände in Deutschland. Zudem trägt die Etablierung eines „Runden Tisches“ deutscher und türkischer Journalisten in Berlin der bedeutenden und zentralen Rolle, die deutsche und türkische Medien im hiesigen Prozess der Integration spielen, Rechnung.

Die Schlussfolgerungen des Gesprächskreises „Sicherheit und Islamismus“ stellen die Bedeutung von Transparenz als Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit zwischen islamischen Organisationen und staatlichen Institutionen heraus. Zu Transparenz gehört auch, Probleme zu benennen, wenn sie auftreten. So gilt es, das Problembewusstsein in der muslimischen Bevölkerung hinsichtlich extremistischer Einstellungen und Prozessen der Radikalisierung zu schärfen und Wege aufzuzeigen, wie aktiv dagegen vorgegangen werden kann. Dabei hat sich gezeigt, dass gemeinsame Projekte von staatlichen Stellen und islamischen Organisationen zur Extremismus- und Radikalisierungsprävention Erfolg versprechend sind. Der Gesprächskreis wird sich künftig verstärkt der praktischen Präventionsarbeit widmen. Als erstes Projekt hierzu wird eine gemeinsame Publikation mit dem Titel „Muslime für Freiheit und Vielfalt“ erarbeitet.

Bundesinnenminister Dr. Schäuble dankte allen Mitwirkenden der beratenden Gremien und hob ihr großes Engagement in den letzten drei Jahren hervor. Die Islamkonferenz habe sich als Rahmen zur Pflege der Beziehungen zwischen Staat und Muslimen in Deutschland bewährt. Auch biete sie einen Rahmen für den Dialog zwischen den sehr vielfältigen Strömungen und Positionen innerhalb des Islams in Deutschland. Die Deutsche Islam Konferenz ermögliche den Muslimen, Differenzen offen auszutragen und diene damit auch der Stärkung einer demokratischen Streitkultur unter Muslimen in Deutschland. Dass diese Vielfalt der in Deutschland lebenden Muslime in der Öffentlichkeit im In- und Ausland mittlerweile stärker zur Kenntnis genommen wird, sei ebenfalls ein Erfolg der DIK. Der Dialogprozess bedürfe der Fortsetzung auch über das Ende der Legislaturperiode hinaus.