Kommunen gestalten Ernährung

Für Kommunen spielen die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in vielen ihrer Aufgabenbereiche eine bedeutende Rolle. Bisher noch wenig berücksichtigt sind jedoch die Auswirkungen der kommunalen Ernährungssysteme auf die Umwelt. Insbesondere dieses Segment verfügt allerdings über ein hohes Potenzial. In ganz Europa werden rund ein Drittel der gesamten Umweltbelastungen durch Konsum und Produktion von Lebensmitteln verursacht. Damit ist ihr Anteil höher als der des Mobilitäts- oder Energiesektors. Die nachhaltige Gestaltung von Ernährungsstrukturen in Städten und Gemeinden bietet zahlreiche kommunale Gestaltungsmöglichkeiten. Es ist ein Querschnittsthema, welches eine Vielzahl an kommunalpolitischen Aufgabenbereichen miteinander verknüpfen kann.

Kommunen werden in Zukunft neben ihrer Energieversorgung und Mobilität, auch ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln neu aufstellen müssen. Nachhaltige und regionale Modelle werden an Attraktivität gewinnen. Ernährung ist schon heute eines der Zukunftsthemen. In den meisten Kommunen finden sich längst nachhaltige Ansätze in Bezug auf die Versorgung mit Lebensmitteln: seien es moderne Urban-Gardening-Projekte, welche Community-Building sowie regionale Ernährung vereinen, oder der klassische Wochenmarkt, der sich vielerorts großer Beliebtheit erfreut. Hier finden sich Ansatzpunkte, welche auch kleine Kommunen gut nutzen können, um die eigene nachhaltigere Versorgung vor Ort auszubauen. Darüber hinaus ist es unter anderem gerade in Projekten an Kindergärten und Schulen sinnvoll, Kinder schon in jungen Jahren an gesunde und regionale Nahrungsmittel und die Herstellung dieser heranzuführen.

Das Konzept „Kommunales Ernährungssystem“ meint jedoch noch mehr, als „was auf den Teller kommt“, nämlich die Vielfalt an direkt und indirekt ernährungsbezogenen Aktivitäten und Beziehungen zwischen allen relevanten Akteursgruppen – von der Stadtverwaltung über Unternehmen und Betriebe, Vereine und Initiativen bis zur Bevölkerung – in allen Bereichen von der Produktion, über die Verarbeitung, Versorgung, Zubereitung bis hin zu Konsum und Entsorgung von Nahrungsmitteln in der Stadt. Die Größe der Kommune oder der Grad ihrer agrarischen Prägung spielen dabei keine Rolle: Alle Städte und Gemeinden haben ein kommunales Ernährungssystem. Lediglich die Zahl der Marktakteur:innen, ihre mengenmäßige Bedeutung für die Versorgung der Kommune mit Nahrungsmitteln und ihre räumliche Einbettung in die Region können variieren. Ebenso kann es Unterschiede in der Zahl der einschlägig befassten Verwaltungseinheiten geben, der Zahl der aktiven zivilgesellschaftlichen Initiativen, der Verteilung unterschiedlicher sozialer Milieus etc. Projektpartner des vom BMBF geförderten Verbundforschungsprojekt KERNiG ist die Stadt Leutkirch im Allgäu. Hier wird bereits erfolgreich gezeigt, wie Ernährung auf kommunaler Ebene nachhaltiger gestaltet werden kann.

Mit der Veranstaltungsreihe „Kommunen gestalten Ernährung - neue Handlungsfelder nachhaltiger Stadtentwicklung“ wollen der DStGB gemeinsam mit dem vom BMBF geförderten Verbundforschungsprojekts KERNiG der Universität Freiburg mit Hilfe von Praxisbeispielen zeigen, welche Potenziale in der Gestaltung kommunaler Ernährungssysteme verborgen liegen. Kommunen sollen ermutigt werden, selbst diesen Weg einzuschlagen.

Weitere Informationen zum Verbundforschungsprojekt KERNiG finden sich hier.

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