Ausbaupfade, Szenarien und Kosten der Energiewende im BMU-Dialog vorgestellt
Erneuerbare Energien

Benötigt werde eine nachhaltige Strategie, die einen dynamischen Ausbau der Erneuerbaren Energien im Kontext einer optimierten, sicheren und bezahlbaren Stromversorgung gewährleistet. Als Basis hierfür wird eine grundlegende Reform des EEG gesehen. Eine im Rahmen des Dialogs vorgestellte Studie zeigt, dass eine Orientierung des Ausbaus einerseits an den besten Standorten, d.h. Windkraft im Norden und Photovoltaik im Süden und andererseits nah an den Verbrauchszentren für das Gesamtstromsystem in etwa zu den gleichen Kosten führe. Durch die Verlagerung des Ausbaus von Windkraftanlagen auf dem Meer hin zu Windkraft an Land könne dagegen bis 2023 jährlich rund 2. Mrd. Euro gespart werden.

Hintergrund

Das 5. EEG-Dialogforum „Ausbaupfade, Szenarien und Kosten“ ist Teil der durch das Bundesumweltministerium initiierten Gesprächsreihe. Betroffene, Akteure, Öffentlichkeit und Fachöffentlichkeit haben dort die Möglichkeit über Problemstellungen, Konfliktlinien und Entscheidungsalternativen zu diskutieren. Insgesamt sind sechs Veranstaltungen vorgesehen.

Ausgangslage der Diskussion um eine Ausbaustrategie für Erneuerbare Energien sind die zum Teil ambitionierten Ziele der Länder für den Ausbau Erneuerbarer Energien. Diese übertreffen in der Summe die im EEG verankerten Mindestziele von 35 % bis zum Jahr 2020 bzw. 80 % bis zum Jahr 2050 und könnten die Ziele einer sicheren, integrierten und optimierten Stromversorgung gefährden. Befürchtet wird, dass der Netzausbau mit dem derzeitigen Tempo nicht mithalten kann, dass kurzfristig zusätzliche, derzeit jedoch unrentable, konventionelle Kraftwerke benötigt werden und es zu erheblichen Kosten und steigenden Strompreisen kommt. Die Planungen der Länder sollen deshalb in einem breiteren Ansatz mit denen des Bundes in Form einer „nationalen Ausbaustrategie“ verknüpft werden.

Inhalt und Ergebnisse des Dialogs

Gegenstand der politischen Diskussion, an der u.a. Bundesumweltminister Altmaier, Staatssekretärin Ingrid Nestle aus Schleswig-Holstein und Staatsekretär Mark Weinmeister aus Hessen und Rainer Baake von der Agora Energiewende teilnahmen, waren zum einen Fragen danach, ob wir im Hinblick auf die genannten Risiken das Tempo des Ausbaus Erneuerbarer Energien zu drosseln haben und welche Strategie für eine Steuerung als sinnvoll erachtet wird. Dabei wurde darüber diskutiert, ob sich das Ausbautempo weiterhin aus den durch das EEG für die verschiedenen Technologien implizit vorgegebenen Renditen und sonstigen Rahmenbedingungen, wie z.B. verfügbare Flächen ergeben soll oder vielmehr eine gezielte Steuerung anzustreben sei. Als Möglichkeit für eine gezielte Steuerung wurde eine geografische bzw. räumliche Verteilung des Ausbaus der Erneuerbaren vorgeschlagen. Allerdings sei die Frage welche Kriterien, d.h. ob beispielsweise Kosten (kostengünstigste Technologien und Standort), Akzeptanz, Systemstabilität, Netzausbaubedarf oder vielmehr der Mindestumfang an Eigenerzeugung im Land, dabei im Vordergrund stehen sollten. Alle Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass egal auf welchem Weg, die Bevölkerung mitgenommen werden müsse.

Studie über kostenoptimalen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland

In dem Zusammenhang mit den genannten Fragestellungen stellte Rainer Baake, Direktor der Agora Energiewende, eine vor ein paar Tagen veröffentlichte Studie über den kostenoptimalen Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland vor. Neben den Kosten für die Stromerzeugung wurden die Kosten für Übertragungsnetze- und Verteilnetze sowie die indirekten Effekte auf den konventionellen Kraftwerkspark untersucht. Laut der Studie spielt es für die Gesamtkosten der Energiewende keine Rolle, ob sich der Ausbau und die Erzeugung an verbrauchsnahen oder aber an den besten, kostengünstigsten Standorten orientieren. Bei der Energiewende ließen sich nach den Ergebnissen der Studie bis 2023 jährlich rund 2. Mrd. Euro sparen, wenn der Bau von teuren Windkraftanlagen auf dem Meer verlangsamt und anstelle dessen der Bau von Windkraftanlagen an Land beschleunigt werden. Zusätzlich zeigt die Studie, dass der Ausbau der im Bundesbedarfsplangesetz vorgesehenen Stromnetze zwar unbedingt benötigt wird, ein um einige Jahre verzögerter Ausbau  die Energiewende aber nicht abwürgt und nicht notwendigerweise teurer macht. Mit dem Bau neuer Wind- und Solarkraftwerke muss daher nicht gewartet werden, bis die Stromleitungen des Bundesbedarfsplangesetzes realisiert sind.