Kommunen und Bürger gestalten die Energiewende: Energiegenossenschaften im Trend
Wertschöpfung

Aus kommunaler Sicht ist die Einbindung der Bürger an dem Betrieb Erneuerbare-Energien-Anlagen von großer Bedeutung für die Energiewende. Sowohl die Kommunen als auch ihre Bürger werden an der regionalen Wertschöpfungskette beteiligt, gleichzeitig wird dadurch Akzeptanz für Energieprojekte geschaffen.

Eine Vielzahl an Bürgern und Bürgerinnen - Tendenz steigend - engagieren sich derzeit genossenschaftlich in Bürgerkraftwerken. Mehr als 80.000 Bürger in Deutschland erhalten Anteile an gemeinschaftlich betriebenen Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren-Energien. 90 % der befragten Genossenschaften betreiben Photovoltaikanlagen, da diese technisch und finanziell überschaubar und nahezu überall in Deutschland möglich seien. Bei Solaranlagen sei eine Beteiligung mit kleineren Beiträgen vorgesehen. Zwei Drittel der Genossenschaften ermöglichen eine Beteiligung mit Beträgen unterhalb von 500 Euro. Das geht aus einer Untersuchung des DGRV, des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW-Solar) und der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hervor, deren Ergebnisse im Juli 2012 in Berlin vorgestellt wurden.

Die Untersuchung kommt daneben zu dem Ergebnis, dass die Gründe für eine Mitgliedschaft der Bürger in den Energiegenossenschaften vorrangig bei der Förderung des Umweltschutzes, des Ausbaus Erneuerbarer Energien sowie der regionalen Wertschöpfung liegen und weniger bei der Gewinnerzielung.

Die AEE geht davon aus, dass die Zahl der genossenschaftlich organisierten Bürgerkraftwerke künftig weiter steigen werde. In dem Bereich der Bioenergie sind bereits eine Vielzahl von Biogasanlagen oder Holzheizkraftwerke in der Hand der Bürger. Eine Beteiligung an Bürgerwindkraftparks sei im Kommen.

Die Genossenschaften produzieren rund 290.000 Megawatt Strom pro Kilowattstunde und können damit rund 83.000 Durchschnittshaushalte versorgen.

Befragt wurden die im DGRV organisierten Energiegenossenschaften im Zeitraum von Februar bis Mai 2012 (Rücklauf 290). Nach einer Vollerhebung durch das Klaus-Novy-Institut im Auftrag des Bundesumweltministeriums wurden seit 2005 insgesamt 506 Energiegenossenschaften in Deutschland gegründet.

Anmerkung

Der DStGB sieht in der Dezentralität der Energieversorgung ein wesentliches Element für das Gelingen der Energiewende. Gleichzeitig bedeutet sie eine große Chance für Städte und Gemeinden, gemeinsam mit ihren Bürgern die Energiewende vor Ort zu gestalten. Aus der Untersuchung wird deutlich, dass der erforderliche dezentrale Energieausbau nur mit kommunalwirtschaftlichem Engagement gelingen kann. Energiegenossenschaften sind ein geeignetes Instrument, um sich gemeinsam mit kommunalen Stadtwerken oder Regionalversorgern auf eine demokratische Art und Weise für die Energiewende einzusetzen, die lokale Wertschöpfung zu fördern und sich an ihr zu beteiligen. Aus kommunaler Sicht haben Bürgerbeteiligungsmodelle mit Blick auf den zunehmenden Widerstand der Bevölkerung gegen Beeinträchtigungen der Landschaft und den ansteigenden Strompreisen der Energiewende insbesondere im Hinblick auf die aktuelle Diskussion eine erhebliche Bedeutung. Den Bürgern wird es dadurch wesentlich leichter gemacht, sich mit der Energiewende zu identifizieren. Daneben spüren sie einen Mehrwert unmittelbar vor Ort. Dies schafft die nötige Akzeptanz für die erforderlichen Maßnahmen zur Erreichung der energiepolitischen Ziele. Nur wenn die Bevölkerung aktiv in die Energiewende eingebunden und eine ehrliche und transparente Debatte um sie geführt wird, kann dies gelingen.