Verteilnetzstudie veröffentlicht: Aus- und Umbaubedarf der Stromverteilnetze bis zum Jahr 2030 für die Energiewende enorm
Netzausbau

Die Integration der erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mache dies erforderlich. Dafür werden zwischen 27,5 bis 42,5 Mrd. Euro erforderlich sein. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der heute bestehende regulatorische Rahmen für Investitionen in Verteilnetze in Netzgebieten mit einem hohen Investitionsbedarf unzureichend ist. Wie stets vom DStGB gefordert, müssen dringend mehr Investitionsanreize für den Bereich der Stromverteilnetze geschaffen werden, um den erforderlichen Netzausbau bewältigen zu können.

Hintergrund

Die sog. „dena-Verteilnetzstudie“ hat den Entwicklungsbedarf für die gesamten deutschen Stromverteilnetze ermittelt. Im Fokus stand der Aus- und Umbaubedarf der Stromverteilnetze zur Integration der dezentralen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung. Darüber hinaus wurde untersucht, ob der aktuelle Regulierungsrahmen geeignet ist, die vom Gesetzgeber vorgesehene Rendite für den Betrieb der Stromverteilnetze zu gewährleisten, wenn der Ausbau der Erneuerbaren weiter fortgesetzt wird. Dafür wurden die realen Netz-, Erzeugungs- und Laststrukturdaten in Deutschland analysiert. Von der Studie erfasst wurde dabei nicht nur die Nieder- und Mittelspannungsebene, sondern auch die Hochspannungsebene.

In der dena-Verteilnetzstudie wurde berechnet, wie die deutschen Verteilnetze ausgebaut werden müssen, um den erneuerbar erzeugten Strom vollständig nutzen zu können. Dabei wurden unterschiedliche Ausbauziele angenommen. Im ersten Szenario wurden die Ausbauziele gemäß dem Leitszenario B des Netzentwicklungsplans 2012 für die Übertragungsnetze zugrunde gelegt. Das zweite Szenario basiert auf den Ausbauzielen der Bundesländer, die einen verstärkten und schnelleren Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik vorsehen. Bei beiden Szenarien sind der Bau neuer Stromleitungen und Transformatoren auf allen Verteilnetzebenen sowie die Umrüstung bestehender Hochspannungs-Freileitungstrassen erforderlich.

Die neue Studie ist die erste Untersuchung der deutschen Stromverteilnetze, die auf der Auswertung umfangreicher und echter Netzdaten basiert. Dabei wurden Daten von deutschen Verteilnetzbetreibern berücksichtigt, die mehr als 50 % der Fläche in Deutschland versorgen. Die dena erarbeitete die Studie zusammen mit Verteilnetzbetreibern, wissenschaftlichen Forschungspartnern und Prüfgutachtern.

Ergebnisse:

Aus- und Umbaubedarf

Auf der Grundlage des aus dem Netzentwicklungsplan Strom 2012 für die Übertragungsnetzebene bekannten Leitszenarios B wurde ein Netzneubaubedarf von 135.00 km und ein Netzumbaubedarf von 25.000 km bis zum Jahr 2030 ermittelt, um den Strom aus Erneuerbaren Energien künftig aufnehmen und in die vorgelagerten Netzebenen abtransportieren zu können. Ausgegangen wird von einem Investitionsbedarf von rund 27,5 Mrd. Euro. Der Investitionsbedarf in die Hochspannungsebene sei mit 16 Mrd. Euro am höchsten, da die Betriebstechnik zur Stromübertragung hier deutlich kostenintensiver sei, als auf den unteren Spannungsebenen und darüber hinaus bestehende Trassen umgerüstet werden müssen. In der Mittelspannungsebene belaufe er sich auf rund 8 Mrd. Euro, in der Niederspannung auf ca. 4 Mrd. Euro.

Die Studie ermittelte auf Grundlage eines zweiten Szenarios, das sich an den Ausbauzielen der Bundesländer orientiert, einen maximalen Ausbaubedarf von 193.000 km und einen Umbaubedarf von 21.000 km, für den Investitionen von rund 42,5 Mrd. Euro erforderlich seien.

Verbesserungen der Investitionsbedingungen

Für die Verteilnetzstudie wurde der Investitionsbedarf für den Ausbau und die Instandhaltung der Stromverteilnetze untersucht. Die Kosten, die Netzbetreiber geltend machen können, sind in Deutschland per Gesetz und Verordnung festgelegt. Die Anreizregulierungsverordnung (ARegV) definiert die Erlösobergrenzen und die daraus resultierende Kostenstruktur je Verteilnetzbetreiber. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die von der Bundesnetzagentur rechtlich festgelegte Rendite für Investitionen in den Netzbetrieb und die Instandhaltung des Verteilnetzes im Hinblick auf den künftigen Zubau Erneuerbarer Energien nicht hinreichend sei. Die Untersuchung zeige, dass sich in der Praxis durch den verstärkten Anschluss von Erneuerbare-Energien-Anlagen und dem daraus resultierenden Netzausbau Rendite ergeben, die für die Verteilnetzbetreiber nicht auskömmlich sind. Netzbetreiber mit einem hohen Ausbaubedarf in ihrem Netz können die vorgesehene Rendite nicht erreichen. Deshalb müsse der regulatorische Rahmen für Investitionen in Verteilnetze dringend verbessert werden, um mehr Anreize zu schaffen.

Technische Optionen zur Reduzierung des Netzausbaubedarfs

Die Studie hat verschiedene technische Optionen geprüft, die künftig dazu beitragen können, den Netzausbau zu reduzieren und grundsätzlich technisch machbar seien. Diese Optionen müssen laut der Studie noch detaillierter untersucht und sollten bei der Ausgestaltung der zukünftigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Auch der Beitrag der regenerativen Energien zur Bereitstellung von Systemdienstleistungen sowie die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern bedürfen einer weiteren wissenschaftlichen Untersuchung. Das größte technische Potenzial liege bei innovativen Betriebsmitteln (Leitungen, Trafos, Schutzeinrichtungen), die die Nutzung der Netzinfrastruktur optimieren.

Anmerkung

Nachdem der Netzaus- und Umbaubedarf für die Energiewende bislang lediglich für die länderübergreifenden großen Übertragungsnetze in Deutschland feststand und noch in diesem Jahr in das Bundesbedarfsplangesetz münden soll, gibt es mit der dena-Verteilnetzstudie nun auch erste belastbare Zahlen für den Modernisierungsbedarf auf der Verteilnetzebene. Der ermittelte Bedarf ist, wie bereits aus kommunaler Sicht erwartet, enorm und mit erheblichen Investitionen verbunden. Der DStGB hat in Vergangenheit immer wieder gefordert, die Ebene der Stromverteilnetze stärker in den Blick zu nehmen, da hier über 97% des Stroms aus Erneuerbaren-Energien-Anlagen unmittelbar aufgenommen und abtransportiert werden müssen. Wie bereits der Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes zeigt, stockt der Netzausbau auch in dem Verteilnetzbereich, was als Folge dazu geführt hat, dass sich die Abschaltungen von Erneuerbaren-Energien-Anlagen wegen fehlender Netzkapazitäten gegenüber dem Vorjahr 2011 in etwa verdreifacht haben. Die Verteilnetzstudie unterstreicht vor allem auch die kommunale Forderung nach einer Anpassung der gesetzlichen Investitionsbedingungen, um künftig ausreichende Anreize zur Finanzierung des notwendigen Netzausbaus zu schaffen. Dies gilt gerade für Verteilnetze, in deren Netzgebiet ein hoher Anteil an Erneuerbaren-Energien-Anlagen und damit ein hoher Investitionsbedarf bestehen oder sich in Zukunft ergeben wird. Das Ergebnis der Studie bestärkt den Appell an den Bund, hier dringend zu handeln.