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Ländlicher Raum II

06.03.2019
Ländliche Räume sind mehr als Statistiken!
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Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle hat in seiner neuen Publikation untersucht, wie es nach 30 Jahren Mauerfall um die Regionen in Deutschland bestellt ist. Dabei kommt das Institut zu dem Schluss, dass die Wirtschaft im Osten im Vergleich zum Westen weniger produktiv ist. Als Gründe werden dafür zu einen die fehlenden Konzernzentralen aber auch eine verfehlte Förderpolitik ausgemacht. Die Subventionen wurden gerade in strukturschwachen Regionen an den Erhalt von Arbeitsplätzen geknüpft, was nach Aussage der Studie einer Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Wege stehe.

Die Ökonomen sehen auch die Notwendigkeit einer Förderung der Städte im Osten als dringend notwendig an, da diese die zentralen Orte von Forschung, Innovation und Wertschöpfung seien und neue hochwertige Dienstleistungen vor allem dort entstünden.

Anmerkung des DStGB

Die Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zieht für die ländlichen Räume die falschen Schlüsse. Wir brauchen in Deutschland keine rein ökonomische Betrachtung, sondern die Politik muss stets aus der Perspektive der Menschen denken. Deshalb ist es gut und richtig, dass Bund, Länder und Kommunen zusammen in der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse daran arbeiten, Handlungsempfehlungen und Maßnahmen zu entwickeln, die sowohl den ländlichen als auch den urbanen Räumen, wo es nötig ist, zu gute kommen.
In der Vergangenheit sind mitunter falsche Schwerpunkte gesetzt worden. Gerade ein gesamtdeutsches Fördersystem, das die spezifischen Voraussetzungen der Regionen berücksichtigt, ist ein zentraler Fokus der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse. Wichtig ist dabei, auch zukünftige Arbeitswirklichkeiten zu erkennen.  So sind zum Beispiel qualifizierte Arbeitnehmer nicht immer auf den eigenen festen Arbeitsplatz angewiesen, sondern können von Zuhause oder in Co-Working-Spaces arbeiten.

In vielen ländlichen Regionen Ostdeutschlands gibt es innovative, mittelständische Unternehmen, die schon jetzt auf Fachkräftezuwachs angewiesen sind. Die Antwort der Politik darauf darf nicht sein, dass einzelne Hotspots besonders angereizt, sondern durch kluge, nachhaltige Standortpolitik die Rahmenbedingungen gesetzt werden. Dazu gehört eine zukunftsfähige Breitbandversorgung genauso wie die bessere Bahnanbindung der Regionen sowie Investition in den öffentlichen Nahverkehr. Eine weitsichtige Politik muss zudem im Blick haben, dass auch in Ostdeutschland der Druck auf die Metropolregionen und damit auf die Miet- und Immobilienmärkte sowie die Verkehrswege tendenziell zunehmen wird. Den ländlichen Räumen kommt hierbei eine wichtige Ergänzungs- und Entlastungsfunktion zu.

Die Studie ist auf der Seite des IWH oder im Anhang abrufbar.