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Weihnachten

21.12.2018
Nachhaltig schenken: Mit einem Augenzwinkern für mehr Lametta!
© Gisela Ebert

Weihnachten. Das heißt Kerzen, Kekse, Köstlichkeiten. Das heißt Gemütlichkeit, Glühwein, Geschenke. Von der Besinnlichkeit berauscht wird jeder Moment aufgesaugt, jede freie Minute genossen, wird versucht zu vergessen und den Stress des Jahres abzuschütteln. Das heißt, im besten Falle ist das so. Während Kinder und der eine Junggebliebene, den jeder im Freundeskreis zu haben scheint, sich diebisch freuen, endlich Geschenke und ausladende Menüs annehmen zu dürfen, hängt der Rest von uns doch in dem fest, was die romantische Idee von Weihnachten auszulösen verspricht: Stress. Stress, alle Geschenke zu bekommen, Stress das richtige Festmahl zu planen, Stress, weil auch der griesgrämige Opa sich angekündigt hat und damit droht, seine fragwürdig fauligen Ansichten über die köstliche Weihnachtsstimmung zu kippen. Früher war mehr Lametta, alles klar. Man kann ja nicht an alles denken.

Dass Weihnachten längst nicht mehr seinen eigenen Anspruch an Besinnlichkeit und Ruhe erfüllen kann, liegt ja eigentlich in der Natur der Sache. Es soll schließlich etwas Besonders sein. Jedes Jahr wieder. Das gilt im Besonderen für die Geschenke. Nicht die für die Arbeitskollegen, die auch mit irgendwelchem Tinnef vom Stand aus der letzten Reihe des drittklassigsten aller Weihnachtsmärkte der Stadt zufrieden zu sein haben; 5 Euro Budget war schließlich vereinbart! Nein, es sind die Geschenke für die Lieben, die so richtig Kopfzerbrechen bereiten können. Schließlich will man zeigen, wie gut man den Anderen kennt. Also liest man das Internet zweimal durch, bis man so viele Werbepiranhas in den Weiten des Amazonas angezogen hat, dass das gesamte Browserfenster eine einzige blinkende Leuchtreklame aus Sachen wird, die man schon vorher für nicht gut genug befunden hatte. Personalisierte Werbung ist schlimmer als Rotweinflecken. Das geht nie wieder raus.

Einfacher macht man es sich, wenn man sich die Ziele des Geschenks vor Augen führt. Es soll zeigen, dass man den Beschenkten wirklich kennt. Freude bereiten soll es. Etwas ganz Individuelles sein. Im besten Falle irgendwann mal mit dem Satz „Weißt du noch, als du mir damals…?“ in Erinnerung gerufen werden. Besser als alles andere erfüllen gemeinsame Erinnerungen diese Kriterien; einfache Aktionen, bei denen man zusammen etwas erlebt. Gemeinsame Kochkurse, Spieleabende, Ausflüge oder Karaokeabende bleiben tendenziell länger im Gedächtnis, als das, was Sie vor fünf Jahren zu Weihnachten bekommen haben. Was war es noch gleich? Eben. Ein kleiner Trick macht die Freude am Geschenk noch nachhaltiger: Einfach in der Nähe etwas suchen. So kann der Beschenkte jedes Mal, wenn er am geschenkten Ort vorbeigeht, Weihnachten noch einmal erleben.

Und wenn es doch mal etwas eher Materielles wird, gibt es einen einfachen Tipp: Hochwertig. Man verschenkt ja auch keinen Wein in Plastikflaschen. Glas, Metall und Stein machen schlicht mehr her und zeigen Wertschätzung. Wenn das Ganze dann noch in noblen Stoffsäckchen oder Holzkistchen statt der Meterware Geschenkpapier verpackt wird, sind die glänzenden Augen, die „Ohs“ und „Ahhs“ fast schon sicher. Wer diese drei einfachen Tricks – Erinnerungen, Hochwertiges, beeindruckende Verpackungen – berücksichtigt, kann nicht nur möglicherweise in den Beschenker-Olymp aufsteigen (wofür wir keine Garantie übernehmen), er tut nebenbei noch etwas für die Umwelt, weil kein Plastik verschenkt wurde. Da ist es dann auch erlaubt, sich die ein oder andere Girlande Lametta zu gönnen. Das zaubert dann vielleicht sogar Opa ein Lächeln auf die Lippen. Weihnachten soll ja eine wundersame Zeit sein, sagt man.


Von Jonas Wiggers

Bild: © Gisela Ebert