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Digitalisierung

31.10.2018
Blockchain - Anwendungsfelder in Kommunen
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Es gibt mittlerweile kaum noch Veranstaltungen und Papiere zur Digitalisierung, in denen nicht auch die Blockchain-Technologie und ihr disruptives Potenzial erörtert wird. Doch was macht die Blockchain so besonders und wo könnte diese Technologie auch für die Kommunen interessant und nutzbar werden?

Die bekannteste Blockchain ist der „Bitcoin“. Diese Kryptowährung kann dabei als webbasiertes, dezentralisiertes, öffentliches Buchhaltungssystem verstanden werden, das alle jemals getätigten Bitcoin-Transaktionen erfasst. Entsprechend wächst die Bitcoin-Blockchain stetig, da ständig neue Blöcke mit neu abgeschlossenen Transaktionen hinzukommen. Jeder Computer, der an das Bitcoin-Netz angeschlossen ist, neue Bitcoins erzeugt und/oder die bisher erzeugten verwaltet, verwaltet eine Eins-zu-Eins-Kopie der vollständigen Blockchain. Vereinfacht und allgemein betrachtet ist eine Blockchain also eine dezentrale Datenbank, die es nahezu unmöglich macht, Daten nachträglich zu manipulieren und dabei ohne einen Intermediär auskommt. Insbesondere der nicht mehr erforderliche Intermediär als kontrollierende Instanz, der Verzicht auf eine übergeordnete Autorität, gibt der Blockchain-Technologie ihr disruptives Potenzial. Da die Datenbank mit jeder Transaktion chronologisch linear erweitert wird, kommt der Vergleich mit einer Kette, bei der am unteren Ende ständig neue Elemente hinzugefügt werden. Ist ein Block vollständig, wird der nächste erzeugt. Jeder Block enthält dabei eine Prüfsumme (sogenannter Hashwert) des vorhergehenden Blocks, ähnlich der Prüfziffer bei Kontonummern und Ausweisdokumenten.

Vorstellbare kommunale Anwendungsfelder für die Blockchain-Technologie sind vielfältig. Ein Einsatzgebiet wäre zum Beispiel die Bezahlung kommunaler Dienstleistungen über Kryptowährungen (z. B. Bitcoin), wie dies in der Stadt Zug in der Schweiz bereits möglich ist. Wirkliche Effizienzpotenziale im Zahlungsverkehr sind aber nicht erkennbar, von daher wäre hier wohl einzig ein Einsatz vornehmlich aus Stadtmarketinggründen unter gewissen Umständen zielführend. Für die Sparkassen ist die Blockchain weniger mit Blick auf Kryptowährungen, sondern vielmehr hinsichtlich des Potenzials der Technologie Finanzgeschäfte sekundenschnell und sicher weltweit abwickeln zu können, interessant. Diese Potenziale könnten theoretisch von den Städten und Gemeinden auch bei der Kreditaufnahme und der Geldanlage, gerade auch was die nachhaltige und grüne Anlage betrifft, genutzt werden. Grundsätzlich vorstellbar ist die Nutzung der Blockchain auch bei Grundbuch- und Katasterämtern, wie dies im Übrigen bereits in Schweden und Griechenland geplant ist. Auch der Einsatz Blockchain-basierter Identitäten kann für den Staat in der Zukunft eine Rolle spielen (Hinterlegung von Asylantrag und -bescheid, Fingerabdruck oder auch Schul- und Ausbildungsabschlüssen). Theoretisch vorstellbar ist der Einsatz der Blockchain-Technologie, weit über elektronische Patientenakten hinausgehend, ebenfalls im medizinischen Bereich. Sollte es irgendwann in Deutschland die Möglichkeit der elektronischen Stimmabgabe geben, könnte auch hier die fälschungssichere Blockchain-Technologie, insbesondere dann bei Kommunalwahlen, zum Einsatz kommen. Ein enormes Potenzial wird der Blockchain-Technologie auch im Energiesektor nachgesagt. Im Energiebereich nutzen die Wuppertaler Stadtwerke beispielsweise die Blockchain-Technologie, um auf einem digitalen Marktplatz regionale Stromproduzenten und Verbraucher zusammen zu bringen. So können Verbraucher ihren eigenen, regionalen, erneuerbaren Strommix zusammenstellen. Die Blockchain-Technologie dient dabei zur Verifizierung der Transaktionen und als Herkunftsnachweis für den verbrauchten Strom.

Insgesamt handelt es sich bei der Blockchain um eine durchaus vielversprechende Technologie, bei der es für die Verwaltung im ersten Schritt gilt, die eigenen Prozesse zu analysieren, zu bewerten und auch zu testen, ob die Blockchain hier einen Mehrwert schafft. Es muss dabei immer gefragt werden, ob über die Nutzung herkömmlicher elektronischer Datenbanken und gegebenenfalls entsprechender Plattformlösungen nicht effizientere Ergebnisse erzielt werden könnten. Die Blockchain-Technologie sollte im öffentlichen Sektor also immer zusammen mit einem Mehrwert für Verwaltung und Bürger gedacht werden und kein Selbstzweck sein.

Dieser Beitrag ist eine Kurzzusammenfassung des Artikels „Die Blockchain-Technologie und Kommunen“ der Autoren in der Kommunal Praxis spezial 3/2018 (Verlag Wolters Kluwer). Der vollständige Artikel kann unten als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Die Autoren: 
Marc Elxnat & Florian Schilling, Referatsleiter Deutscher Städte- und Gemeindebund

(Foto: © Sashkin - stock.adobe.com)