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Kommunalwald

2019-11-20
Ohne starke Wälder kein Klimaschutz
© Kletr-Fotolia.com
Heute, wo wir den Wald als Klimaschützer dringend brauchen, ist der Klimawandel mit voller Wucht in unseren Wäldern angekommen und setzt ihnen schwer zu. Stürme, extreme Dürre, Hitzewellen und massenhafte Vermehrungen von Borkenkäfern haben seit 2018 nationale Schäden mit katastrophalem und unübersehbarem Ausmaß angerichtet.

„Sterbende Wälder können wir uns nicht leisten, weil der Wald der größte Klimaschützer ist. Unsere Wälder binden 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Bäumen und Boden und entlasten die Atmosphäre jährlich um rund 58 Millionen Tonnen CO2. Durch Holznutzung und langlebige Holzprodukte werden darüber hinaus energieintensive Rohstoffe wie Stahl, Aluminium, Beton oder fossile Brennstoffe ersetzt. Dadurch werden insgesamt jährlich 127 Millionen Tonnen CO2 gebunden, was 14 Prozent des jährlichen Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft entspricht. Die Wiederbewaldung und der klimagerechte Waldumbau – von Nadelholzmonokulturen hin zu Mischwäldern – sind ein unverzichtbarer Beitrag zum Klimaschutz. Dies ist aber nicht von heute auf morgen zu schaffen. Waldbesitzende brauchen Planungssicherheit und nachhaltig durchfinanzierte Förderprogramme für mindestens 10 Jahre“, erklären der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald, Dr. Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, und Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, anlässlich der Bundestagung des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“ am 20. November 2019 in der thüringischen Bergstadt Ruhla.

Die Politik habe den Ernst der Lage erkannt. So habe die Bundesregierung nunmehr 547 Millionen Euro für die Wiederbewaldung, den klimarobusten Waldumbau und die Förderung der Holzverwendung für die nächsten vier Jahre angekündigt. „Jetzt müssen auch die Bundesländer ihren Beitrag leisten und die vom Bund in der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ bereitgestellten Mittel in Höhe von 478 Millionen Euro zu 40 Prozent kofinanzieren“, so Frieden und Landsberg. Auf der Bundestagung wurde ein umfassendes Positionspapier verabschiedet mit weiteren Maßnahmen, die aus Sicht der waldbesitzenden Städte und Gemeinden flankierend auf den Weg gebracht werden müssen:

CO2-Speicherleistung und Ökosystemdienstleistungen der Wälder honorieren:
Erlöse aus einem CO2-Zertifikatehandel für die CO2-Senkenleistungen des Waldes sollen auch den Waldeigentümern über eine „Klimaschutz-CO2-Bindungsprämie“ als Kompensation ihrer Minderaufwendungen und Mindererlöse zugutekommen. Die Ökosystemdienstleitungen der Wälder müssen honoriert werden.

„Grüne Lungen“: Kommunen bei Verkehrssicherungspflicht entlasten:
Der Klimawandel macht auch dem Stadtgrün und den städtischen Laubbäumen schwer zu schaffen. Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem und schlecht für den Klimaschutz. Absterbende Stadtbäume verursachen enorme Verkehrssicherungsprobleme und Insekten wie der Eichenprozessionsspinner gefährden die Gesundheit der Menschen. Zudem verursachen sie Schäden in Millionenhöhe. Kommunen fordern personelle und finanzielle Unterstützung für die erhöhten Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang öffentlicher Straßen und Wege. Bund und Länder sollen für mindestens zwei Jahre die Verkehrssicherungspflicht für waldbesitzende Städte und Gemeinden übernehmen.

Holzbauinitiative als Antwort auf Wohnungsnot in Städten:
Die von der Agrarministerkonferenz geforderte Holzbauinitiative mit dem Ziel, die Holzbauquote in den nächsten 15 Jahren von 17 auf 34 Prozent zu verdoppeln, ist ein starkes Signal für das Bauen mit Holz. Der Ausschuss appelliert an Bund und Länder, als Antwort auf die Wohnungsnot in den Ballungszentren, zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums und als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz die Holzbauinitiative mit neuen Förderprogrammen und einem CO2-Bonus zu flankieren. Gleichzeitig muss alles getan werden, damit Laubholz zukünftig eine stärkere Marktberücksichtigung und Unterstützung findet.

Windkraft auf Kalamitätsflächen:
Durch die temporäre Nutzung von Nadelholz-Kahlflächen für Windkraftanlagen sollen Waldbesitzende sich neue Einkommensmöglichkeiten zur Finanzierung der Wiederbewaldung und des Waldumbaus erschließen können. Das setzt eine Flexibilisierung der raumordnerischen Vorgaben und eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren voraus. Kommunen sollen eigenverantwortlich über die Flächennutzung entscheiden können.

Klima-Investitionsfonds Wald:
Der Ausschuss befürwortet die Gründung eines „Klima-Investitionsfonds Wald“ durch Wirtschaft, Stiftungen, öffentliche Hand und Verbände. Das Ziel: Der Ankauf von Kalamitätsflächen von Waldeigentümern, die ihren absterbenden Wald aufgeben wollen, und der Aufbau klimastabiler Wälder zur CO2-Bindung. Die operative Umsetzung der Schadholzbeseitigung und der Wiederbewaldung soll durch die Landesforstverwaltungen erfolgen.

Auf die Jagd kommt es an:
Eine Neujustierung der Bundes- und Länderjagdgesetzgebung pro Walderneuerung ist erforderlich, denn der Beitrag der Jagd zur Entwicklung klimastabiler Wälder ist entscheidend. Das Ziel ist nicht „Wald ohne Wild“, aber „Wald vor Wild“ und „Wald vor Jägerinteressen“. Wildbestände sind so zu regulieren, dass eine natürliche Verjüngung aller Hauptbaumarten ohne Zaun möglich ist.

Die Jagdzeiten auf Bundes- und Länderebene sollen einheitlich auf den früheren Vegetationsbeginn eingestellt werden. Eine Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild ab dem 01. April muss bundesweit ermöglicht werden. Koppelung der Waldförderung an waldgerechte Wildbestände und bundesweites Monitoring der Wildbestände durch flächendeckende Verbissgutachten.

Personal:
Die Forstverwaltungen in den Ländern müssen in die Lage versetzt werden, die großen Herausforderungen auch personell zu meistern. Der stetige Personalabbau im Forstbereich in den letzten Jahren muss gestoppt und umgekehrt werden.

PR-Kampagnen:
Die aktuellen Diskussionen in den Medien über den richtigen Umgang mit dem Wald sind ein gesellschaftlicher Prozess, der im Bewusstsein vieler Bürger zu einem Zwei-Klassen-Wald führt (gut: Wälder sich selbst überlassen; schlecht: Wälder nutzen). Um diesen gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen, braucht es breit angelegte PR-Initiativen, um die Bürger über die vielfältigen Leistungen des Waldes, der Forstwirtschaft und der Holznutzung zum Klimaschutz zu informieren.

Das Ziel: Insbesondere bei den Menschen im urbanen Raum durch Aufklärung mehr Verständnis und Akzeptanz für die jetzt erforderlichen Maßnahmen zur Bewältigung des Waldsterbens zu schaffen. Der Ausschuss appelliert an Bundesministerin Julia Klöckner, ihre hierfür zuständigen Einrichtungen mit der Erarbeitung von PR-Kampagnen zu beauftragen.

Für Rückfragen steht Frau Ute Kreienmeier (Referatsleiterin Kommunalwald, Umwelt und Naturschutz; Deutscher Städte- und Gemeindebund) unter Mobil: 0171 95 33 684 zur Verfügung.

Foto: © Kletr-Fotolia.com

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