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2010-08-30
Städte sehen Kita-Ausbau durch Anwohner-Klagen bedroht
Die Städte und Gemeinden in Deutschland sehen den bis 2013 geplanten Ausbau der Kindertagesstätten durch zunehmende Klagen von Anwohnern bedroht. (Presseinformation des ARD-Politmagazins Report aus Mainz).
ARD-Politmagazin Report aus Mainz
Der Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Christian Ude, sagte im Interview mit dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ: „In der Tat erleben wir in reinen Wohngebieten eine erschreckende Streitlust und Prozessfreude von Nachbarn, die Kinderlärm nicht als Zukunftsmusik empfinden, sondern als eine rechtlich unzulässige Störung und die gegen Kindertagesstätten vor den Kadi ziehen.“ Auch der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, befürchtet, dass der Kita-Ausbau wegen klagenden Anwohnern ins Stocken gerät: „Gerade in den Ballungszentren, in den Städten, da ist der Bedarf am größten, da brauchen wir diese zusätzlichen Kindertagesstätten, und da ist leider auch der Widerstand der größte.“

Die Städte und Gemeinden erwarten, dass die Zahl der Klagen gegen Kitas wegen des geplanten massiven Ausbaus der Betreuungsplätze in den kommenden Jahren noch zunehmen wird. Städtetags-Vizepräsident Christian Ude sagte gegenüber REPORT MAINZ: „Wie jede Prozesslawine ist auch diese im Anwachsen. Die Streitlust nimmt leider tatsächlich zu.“ Auch der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, beobachtet, dass die Widerstände von Anwohnern mit dem Kita-Ausbau steigen: „Das Problem ist, dass der Ausbau ins Stocken geraten kann und wir dann noch mehr Schwierigkeiten haben, den Anspruch des Gesetzgebers zu erfüllen.“

Die Bundesregierung hat bereits erklärt, dass sie den Bau von Kitas in reinen Wohngebieten erleichtern will. Dazu soll die so genannte Baunutzungsverordnung (§ 3 BauNVO) geändert werden, die Kitas in reinen Wohngebieten bisher nicht generell erlaubt. Auf Anfrage von REPORT MAINZ hat Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) jetzt mitgeteilt, dass eine Änderung jedoch frühestens im Jahr 2012 in Kraft treten könne. Denn die geplanten Änderungen an der Baunutzungsverordnung seien Bestandteil einer umfassenden Novelle des Bauplanungsrechts, für die ein förmliches Gesetzgebungsverfahren erforderlich sei, das erst 2011 eingeleitet werde.

Die Vertreter der Städte und Gemeinden in Deutschland fordern die Bundesregierung angesichts des bis 2013 geplanten Ausbaus der Kindertagesstätten jetzt auf, die Gesetzeslücke im Baurecht schneller zu schließen. Städtetags-Vize Ude sagte gegenüber REPORT MAINZ: „Sicherlich wird die Zahl der Betreuungseinrichtungen, die geplant werden, deutlich zunehmen. Umso wichtiger wäre es, jetzt sofort den Klägern, die Kinderbetreuungseinrichtungen verhindern wollen, das rechtliche Instrument aus der Hand zu nehmen, denn 2013 ist es zu spät.“ Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, sagte: „Bundestag und Bundesrat müssen mehr Tempo machen, um die Klarheit zu schaffen, damit wir planen und umsetzen können.“

Nach dem so genannten Kinderförderungsgesetz müssen in drei Jahren 35 Prozent aller Kleinkinder in Deutschland ein Platzangebot haben, das entspricht 750.000 Plätzen bundesweit. Für die westdeutschen Bundesländer heißt das, dass sie die Betreuungsplätze für Kleinkinder noch mehr als verdoppeln müssen. Fast 560.000 Plätze werden laut Statistischem Bundesamt benötigt – 238.000 Kleinkinder hatten 2009 einen Krippenplatz. Die Städte und Gemeinden sehen neben den Klagen der Anwohner weitere Probleme für den geplanten Kita-Ausbau. Für die benötigten zusätzlichen Plätze gebe es bislang weder das Geld noch das Fachpersonal.

Der Beitrag vom 30. August 2010 steht auf der Homepage von REPORT Mainz als Video zur Verfügung.

(Presseinformation REPORT MAINZ, Montag, 30.08.2010, 21:45 Uhr im ERSTEN)
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