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2015-11-23
Kommunalwald Kontra Wildnis
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Bürgermeister waldbesitzender Städte und Gemeinden lehnen die vom Bundesumweltministerium (BMUB) und Bundesamt für Naturschutz (BfN) in einer bislang ungeahnten Dimension geplanten Wildnisgebiete in Deutschland ab. In einer so dicht besiedelten Kulturlandschaft wie Deutschland schaffen Totalreservate gravierende Probleme, weil nach europäischen Standards in den Kernzonen der Tourismus, Forst-, Land-, Weidewirtschaft, Jagd und Brennholzsammeln generell verboten sind und permanente Infrastruktur wie Gebäude und Straßen entfernt werden müssen“,  so der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“, Verbandsdirektor Winfried Manns (Mainz), anlässlich der Bundestagung des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“ am 23. November 2015 in Burbach (Siegerland). 

Die Wildnis- und Stilllegungspläne des BMUB und BfN richten sich gegen die Interessen der Menschen und der Landnutzer mit dramatischen Folgen für Gesellschaft, Forst- und Holzwirtschaft und ländliche Regionen. Die Bürgermeister fordern deshalb das BMUB auf, die im Rahmen seiner „Naturschutz-Offensive 2020“ angekündigte Initiative in der Umweltministerkonferenz zu stoppen.

Berechnung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten
Kritisch sehen die Kommunalwaldvertreter insbesondere, dass BMUB und BfN die Frage nach Kosten und Finanzierung von Wildnis und Waldstilllegung völlig ausblenden. Sie fordern zunächst eine Berechnung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten und des Nutzens zusätzlicher Naturschutzleistungen. Hierzu gehört die Bestimmung der Kosten durch den Verzicht auf die Rohholzproduktion einschließlich der Auswirkungen auf Holzindustrie, Arbeitsplätze im ländlichen Raum und die Strom- und Wärmeerzeugung im Bereich Erneuerbarer Energien, Mehraufwendungen und Mindererträge durch Bewirtschaftungssauflagen  und Ermittlung des Beitrags von Wildnis zu regionalen Wertschöpfungsketten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft soll das Thünen-Institut mit der Bestimmung der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten beauftragen.

Forstpolitik soll Konflikte regeln
„Wald ist mehr als Wildnis. Notwendig ist eine ganzheitliche Betrachtung. Wälder erfüllen nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische und soziale Funktionen. Wir fordern daher das BfN zu einem Paradigmenwechsel auf. Mit seinem wissenschaftlich überholten konservierenden Naturschutzansatz schürt das BfN die Konflikte zwischen den verschiedenen Interessensgruppen und verschärft die Probleme in Deutschland beim Klimaschutz, dem Klimawandel und der Energiewende. Hier ist jetzt die Forstpolitik gefragt, diese Konflikte zu regeln“, sagt Manns.

Geht es nach den Plänen vom BMUB und BfN, sollen die Visionen aus der von der Bundesregierung in 2007 beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) jetzt konkret umgesetzt werden. Bis 2020 sollen Länder und Kommunen 10 % ihrer Wälder stilllegen und große Waldgebiete für Wildnis zur Verfügung stellen. Im Focus des BfN stehen derzeit 337 großflächige Waldgebiete (> 1.000 Hektar) mit einer Gesamtfläche von rd. 700.000 Hektar. Um welche Waldgebiete es sich konkret handelt, wird vom BfN bislang geheim gehalten.

Von den 11,4 Mio. Hektar Wald in Deutschland sind 48 % Privatwald.
29 % des Waldes sind im Eigentum der Länder, 19 % im Eigentum von Körperschaften und 4 % im Eigentum des Bundes.

Rückfragen:
Ute Kreienmeier
Referatsleiterin Kommunalwald; Umwelt und Naturschutz, DStGB
August-Bebel-Allee 6, 53175 Bonn
Tel.:         0228 – 95 96 227
Handy:    0171 – 95 33 684
Email:     ute.kreienmeier@dstgb.de

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