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2015-11-05
Integration von Flüchtlingen – eine langfristig lohnende Investition
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Am 5. November 2015 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Wochenbericht Nr. 45 ein Paper zur „Integration von Flüchtlingen – eine langfristig lohnende Investition“ veröffentlicht (Verfasser sind der Präsident des DIW Marcel Fratzscher und der stv. Leiter der Konjunkturpolitikabteilung des DIW Simon Junker). Kern der Untersuchung war die Berechnung des Nettobeitrags der Flüchtlingsmigration zur gesamtwirtschaftlichen Leistung Deutschlands (Langfristperspektive). Bei dieser Berechnung wird von einer flüchtlingsbedingten Migration in den Jahren 2015 und 2016 von je 1,5 Millionen Menschen, für 2017 750.000 und für die Jahre 2018 bis 2020 noch von je 500.000 ausgegangen. Weitere Grundannahmen für die Berechnung sind, dass Flüchtlinge im Ankunftsjahr und im Folgejahr noch keine Beschäftigung aufnehmen können. Hinsichtlich der angenommenen Asylanträge wird von einer Quote von mindestens 39,1 Prozent (aktueller Stand) ausgegangen, wobei sie letztlich eher höher liegen wird. Auch ist davon auszugehen, dass zumindest die Hälfte der abgelehnten Asylbewerber zunächst noch geduldet wird.

Das DIW hat bei der Berechnung der Auswirkungen der Flüchtlingsmigration auf die Wirtschaftsleistung drei Szenarien zugrunde gelegt. Im sogenannten Basisszenario wird davon ausgegangen, dass 40 Prozent der Arbeitssuchenden (und hierzu auch berechtigten) in den ersten vier Jahren eine Anstellung finden werden, auch nach zehn Jahren wird die Arbeitslosenquote aber noch erheblich sein. Viele werden im Bereich geringqualifizierter Beschäftigung eine Anstellung finden. Angenommen wird hier eine Produktivität der Flüchtlinge, die bei rund einem Drittel der Beschäftigten liegen wird. Denkbar ist durchaus aber auch eine noch geringere Produktivität, die entsprechend im pessimistischen Szenario berücksichtigt wurde (hier wurde zudem von doppelt so hohen Kosten ausgegangen). Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung berücksichtigt unter anderem auch die zusätzliche Konsumnachfrage und die staatlichen Bau- und Sachleistungen, die zu einem überproportionalen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage führen dürften.

In allen drei Szenarien überwiegen anfangs klar die Kosten. Im optimistischen Szenario wird aber bereits für 2017/2018 mit positiven Effekten der Flüchtlingsmigration auf die gesamtstaatliche Wirtschaftsleistung gerechnet, im Basisszenario dann 2020/2021. Im pessimistischen Szenario wird der Break-even-Punkt erst 2025/2026 erreicht. Allen Szenarien nach wird langfristig der Nettobeitrag der Flüchtlingsmigration zur gesamtwirtschaftlichen Lage aber positiv sein.

Kernaussage des Papiers ist daher, dass die anfallenden Kosten von gut 12.000 Euro je Flüchtling pro Jahr und die durchschnittlich angenommenen 7.200 Euro an Sozialleistungen für anerkannte Flüchtlinge als Investition in die Zukunft zu sehen sind.

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