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2015-09-28
Bürgerenergie bedeutsam für die Energiewende: Hohe Akzeptanz, lokale Wertschöpfung und Akteursvielfalt
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Energie-Projekte in Bürgerhand stärken die lokale Wertschöpfung mit Milliarden-Investitionen und bringen vor Ort vielfältigen gesellschaftlichen Nutzen. Zu diesem Fazit kommt eine neue Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bündnis Bürgerenergie. Photovoltaik-, Windkraft- oder Biomasse-Projekte in Bürgerhand oder mit Bürgerbeteiligung können danach bundesweit bis zu 113.600 Vollzeitarbeitsplätze erhalten oder neu schaffen. Die Wertschöpfung der Projekte summiere sich allein im untersuchten Jahr 2012 auf bis zu 5,3 Milliarden Euro. Über steigende Steuereinnahmen profitierten davon auch die kommunalen Haushalte. Die Studie belegt die hohe Relevanz der dezentralen Akteure für die Energiewende, die von kommunaler Seite immer wieder hervorgehoben wird. Die Einbindung und aktive Teilhabe von Bürgern an Energieprojekten führt zu einer stärkeren Identifikation, Akzeptanz und Durchsetzung von Entscheidungen in der Energiewende. Zugleich entstehen Wertschöpfungspotenziale und neue Möglichkeiten für den ländlichen Raum und die regionale Wirtschaft.

Eine jüngst veröffentlichte Studie des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bündnis Bürgerenergie e.V. hat zehn wesentliche gesellschaftliche, energiewirtschaftliche und volkswirtschaftlicheNutzeneffekte von Bürgerenergie sowie ihre Bedeutung für das Gelingen der Energiewende untersucht. Die IZES-Untersuchung ist die erste umfassende Grundlagenstudie zum Thema. Sie will damit den energiepolitischen Diskurs verbessern.

 

Begriffsbestimmung von Bürgerenergie

Zunächst widmet sich die Studie der Frage, was unter den Begriff der „Bürgerenergie“ zu verstehen ist. Bislang gibt es kein einheitliches Verständnis oder Definition von Bürgerenergie. Unter Zugrundelegung verschiedener Studien, u.a. von Trend:research und der Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der „Die Wende – Energie in Bürgerhand“ sowie der Agentur für Erneuerbare Energien aus 2013 und der Studie der Deutschen WindGuard im Auftrag des Bundesverbandes Windenergie e.V. über die Akteursvielfalt im Wind-Onshore Bereich aus 2015, die enge und weite Begriffsdefinitionen entwickelt haben, geht die Studie von drei Segmenten von Bürgerenergie aus:

 

·         Projekte einzelner Bürger

·         Projekte von Bürgerenergiegesellschaften und

·         Projekte kleiner und mittlerer landwirtschaftliche Unternehmen.

 

Die Projekte halten einen wesentlichen Anteil am Eigenkapital der die Erzeugungsanlagen betreibenden Gesellschaften und kommen in der Regel aus der Standortregion der errichteten Anlage.

 

Um Bürgerenergie künftig genauer evaluieren zu können, empfehlen die Forscher eine wissenschaftliche Langzeitbetrachtung von ausgewählten Kommunen, in denen Bürgerinnen und Bürger Erneuerbare-Energien-Projekte umsetzen.

 

Zehn identifizierte Nutzeffektevon Bürgerenergie 

Die Autoren der IZES-Studie haben durch Interviews mit Branchenakteuren und Experten sowie der Datenauswertung zur Quantifizierung des Umfangs von Bürgerenergie die folgenden gesellschaftlichenund wirtschaftlichen Nutzeneffekte identifiziert:

 

Gesellschaftliche Effekte

 

·         Bürgerenergie steigert die Akzeptanz für die Energiewende. Die frühe und aktive Beteiligung an EE-Projekten vor Ort führt zu einer starken Zustimmung und zum Abbau von Vorbehalten.

 

·         Über Bürgerenergieprojekte werden Menschen unmittelbar in nachhaltigen Wirtschaftsprozessen integriert, sie beteiligen sich aktiv, wodurch ein gesamtgesellschaftlicher Mehrwert entsteht.

 

·         Lokale Energie-Projekte steigern das gesellschaftliche Engagement im Energiesektor. Die Bürger erwerben neue Kompetenzen und es entstehen häufig Anschlussprojekte, z.B. im Wärme- und Mobilitätsbereich.

 

·         Bürgerprojekte steigern die Identifikation mit der eigenen Region und Kommune, was u.a. anhand der bereits existierenden Bioenergiedörfer belegt werden kann.

 

·         Die Erfolgschancen für ein Erneuerbare-Energien-Projekt steigen, während seine Kosten sinken, wenn die Mehrheit am Eigenkapital in Bürgerhand liegt und viele gesellschaftliche Gruppen und kommunale Institutionen einbezogen werden.

 

Wirtschaftliche Effekte

 

·         Bürgerenergie schafft Arbeitsplätze: Planung, Errichtung und Betrieb von Anlagen schafft in einem Jahr bis zu 113.600 Vollzeitstellen. Viele der Jobs werden langfristig gesichert, weil die entsprechenden Anlagen viele Jahre laufen. Dieser Aspekt spielt insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen eine wichtige Rolle.

 

·         Es entstehen lokale Wertschöpfungseffekte: Kapitaleinkommen, Betriebserlöse, Arbeitnehmerentgelte und daraus resultierende Steuereinnahmen stärken die lokale Wirtschaft und die kommunalen Haushalte. Je teurer die eingesetzte Technologie, desto größer der Effekt. Die Wertschöpfung der Projekte summierte sich demnach allein für das Jahr 2012 auf bis zu 5,3 Mrd. Euro. Das Geld bleibt größtenteils in der Region, da vor allem lokale Dienstleister eingebunden werden.

 

·         Der Energiemarkt wird demokratischer. Bürgerenergie sorgt dafür, dass Geld und Einfluss auf mehr Menschen verteilt werde und das Oligopol der großen Konzerne aufgebrochen wird und damit die Abhängigkeit von wenigen Erzeugern vermindert wird.

 

·         Viele Anlagen werden sogar ausschließlich durch lokale Akteure realisiert. Große Projektierer scheuen oft die relativ hohen Transaktionskosten für kleinere Anlagen. Bürgerenergie-Akteure können z.B. durch ehrenamtliches Engagement ein Teil dieser Kosten sparen.

 

·         Bürgerenergie ist ein Treiber für technische Innovationen und diese in vielen Fällen erst marktreif. Dass dort erworbene Wissen wird weiterbreitet und geteilt.

 

Die Studie des IZES „Nutzeffekte von Bürgerenergie“ ist u.a. unter http://www.buendnis-buergerenergie.de/publikationen/studien/ abrufbar.

 

Anmerkung

 

Die Studie belegt die hohe Relevanz der dezentralen Akteure für die Energiewende, die von kommunaler Seite immer wieder hervorgehoben wird. Die Einbindung und aktive Teilhabe von Bürgern an Energieprojekten führt zu einer stärkeren Identifikation, Akzeptanz und Durchsetzung von Entscheidungen in der Energiewende.Zugleich entstehen Wertschöpfungspotenziale und neue Möglichkeiten für den ländlichen Raum und die regionale Wirtschaft. Das IZES bestätigt, dass die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen der Bürgerenergie vor allem für ländliche und strukturschwache Regionen enorm wichtig sind. Es entstehe ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen.

 

Um die mit der Akteursvielfalt verbundenen positiven Effekte nicht zu gefährden, müssen aus kommunaler Sicht die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen den dezentralen Strukturen deutlich stärker Rechnung tragen.Aktuell führen die Förderbedingungen für Erneuerbare Energien nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) durch die Umstellung des Vergütungssystems auf Aufschreibungen jedoch dazu, dass die für die Energiewende notwendigen neuen dezentralen Projekte tendenziell zurückgehen. Diederzeit bestehenden Zugangshürden für eine Teilnahme kleinerer Bürgerprojekte und kommunaler Projekte an den Ausschreibungen erschweren ihnen gegenüber größeren Projektierern den Markteintritt und damit den Zugang zur Förderung.Um ihre Existenznicht zu gefährden und ihnen eine realistische Erfolgschance einzuräumen, sollte aus kommunaler Sicht für das Ausschreibungsverfahren eine ausreichend hohe Bagatellgrenze gezogen werden, mit der diese Projekte von der verpflichtenden Teilnahme ab 2017 befreit werden. Die Energieprojekte der Akteure sind nicht nur für die Akzeptanz der Energiewende von großer Bedeutung. Sie spielen auch für das Erreichen der Ausbauziele der Erneuerbaren Energien nach dem EEG eine besondere Rolle. Die Studie bestätigt noch einmal, dass fast die Hälfte der gesamtinstallierten Leistung aus Erneuerbaren Energien von 73.000 MW, insbesondere im Wind- und Photovoltaikbereich, aus Bürgerhand stammt.Die Erneuerbaren-Projekte der kleineren Akteure sind damit zwingend erforderlich, um dieZielsetzung der Energiewende erreichen zu können.

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