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öpnv

2017-01-10
Bundesweites elektronisches Ticket vor der Einführung
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Das einheitliche elektronische Ticket wird seit vielen Jahren vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen vorangetrieben. Seit 2003 wird die Entwicklung eines eTicket-Standards im ÖPNV in Deutschland mit einem eigens dafür gegründeten Unternehmen betrieben. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat nun ein Förderprogramm aufgelegt, damit bis 2019 das eTicket möglichst in ganz Deutschland verfügbar ist.

Ein einheitlicher bundesweiter ÖPNV-Tarif oder die Vernetzung der Tarifinformationen der Verkehrsunternehmen ist ein alter Traum der Nahverkehrsanbieter und der Kunden. Die Vielzahl unterschiedlicher Tarifsysteme und Preise ist längst ein Ärgernis für die Kunden des Nahverkehrs und eine echte Zugangshürde für Menschen, die an die unkomplizierte Nutzung des eigenen Autos oder des Fahrrades gewöhnt sind. Es werden daher seit über 10 Jahren papierlose Tickets/eTickets von den Verkehrsunternehmen angeboten. Diese finden auch zunehmende Verbreitung, aber es fehlt eine bundesweite Integration der Angebote. Vielmehr ist die Vielzahl der Tarifsysteme ergänzt um eine Vielzahl von elektronischen Tickets mit jeweils eigenen Smartphone-App

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert nun die digitale Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr (ÖPNV) mit einem eigenen Programm. Das Förderprogramm „eTicketing und digitale Vernetzung im öffentlichen Verkehr“ läuft von Januar 2017 bis September 2018. Es beinhaltet 16 Millionen Euro. Gefördert werden Maßnahmen zur Umsetzung von eTicketing und digitaler Vernetzung im ÖPNV, z.B. die Verbindung und Integration regionaler Mobilitätsplattformen bis hin zu Innovationen im Bereich Ticketing, wie z.B. der automatisierten Fahrpreisfindung. Nähere Informationen zum Programm: http://mobilitaet21.de/eticket-deutschland/

Zwölf Projekte werden gefördert. Die Projektliste mit den beteiligten Firmen kann hier heruntergeladen werden: http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/foerderprogramm-eticketing-und-digitake-vernetzung-oevp.pdf?__blob=publicationFile

Um bis 2019 das eTicket in Deutschland flächendeckend einzuführen, soll nach Medienberichten eine zentrale Abrechnungsstelle aufgebaut werden, die ab 2018 arbeitsfähig sein soll. Eine zentrale Abrechnungsstelle ist eine unverzichtbare Voraussetzung für ein bundesweites eTicket, da es sich dabei letztlich um eine Art deutschlandweiten Tarifverbund handelt. Rund 370 Verkehrsunternehmen mit jeweils eigenen Tarifstrukturen – von deren Komplexität die Kunden befreit werden sollen - müssen eingebunden werden.

Wenn das System funktioniert, steht der Integration weiterer Verkehrsdienstleistungen, wie die Miete von Fahrrädern oder Autos oder die Abrechnung von Parkgebühren, nichts grundsätzlich im Wege. Das würde den Zugang zu Mobilitätsangeboten drastisch vereinfachen, weil es nicht mehr nötig ist, für jedes Verkehrsangebot einen eigenen Zugang (App) zu erhalten und zu pflegen.

Die Förderung es eTickets und der digitalen Vernetzung des ÖPNV ist Teil der Initiative „Digitale Vernetzung des ÖPNV“ des BMVI. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: https://www.digital-vernetzt-mobil.de/ Der DStGB ist in das Projekt „Roadmap zur digitalen Vernetzung des ÖPNV“ eingebunden.

Einschätzung des DStGB

Der ÖPNV ist eine wesentliche Säule des stadt- und menschenverträglichen Verkehrs der Zukunft. Moderne Mobilität kommt ohne einen wachsenden leistungsfähigen ÖPNV nicht aus. Es ist daher zu begrüßen, dass mit der Einführung eines bundesweit verfügbaren eTickets durch Vernetzung der Anbieter ein sehr einfacher Zugang zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs und anderer Mobilitätsdienstleistungen geschaffen wird.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass Kosten des eTickets im Betrieb (Tarifierungsverluste, die in jedem Verbundgebiet auftreten, werden auch bei einem bundesweiten System anfallen und zwangsläufig höher ausfallen) anfallen werden. Zudem ist der Ausbau des Nahverkehrsangebotes erforderlich, wenn der einfache Zugang auch zu einer attraktiven Mobilitätserfahrung führen soll, statt zu übervollen Fahrzeugen. Drittens müssen die Attraktivitätssteigerung und der Ausbau des ÖPNV auch mit ordnungspolitischen Maßnahmen im Straßenraum (eigene Flächen für Wege) verbunden werden, damit die Busse und Straßenbahnen nicht im Stau des bislang weiter wachsenden motorisierten Individualverkehrs stecken bleiben und damit unzuverlässig werden.

Der öffentliche Personennahverkehr, organisiert durch die kommunalen Aufgabenträger, braucht mehr denn je in Zukunft verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, die nicht hauptsächlich von der Finanzstärke der jeweiligen Kommunen abhängig sein darf. Eine verlässliche und dauerhaft auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen ist die Voraussetzung für moderne Verkehrspolitik, die individuelle Mobilität garantiert.

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