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Kommunalradkongress

25.09.2018
Kommunalradkongress diskutiert innovative Maßnahmen für mehr Radverkehr
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Beim 3. Deutsche Kommunalradkongress in Göttingen kamen 160 Teilnehmer zusammen, um über die Radverkehrsförderung in Städten und Gemeinden zu diskutieren und insbesondere auch innovative Ansätze mit in die jeweiligen Städte zu nehmen.

Der Radverkehr wird, gerade vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote in vielen Städten, immer wichtiger. Roland Schäfer, der 1. Vizepräsident des DStGB und Bürgermeister von Bergkamen, betonte in seiner Eröffnungsrede die Chance und Verpflichtung der Kommunen, auch im eigenen Interesse, fahrradfreundlich zu werden. Gerade das Fahrrad trägt in den Städten erheblich zur Lebensqualität bei. Dies entbindet jedoch nicht den Bund und die Länder davon, Radverkehr zu fördern. Konkret wurde der Bund aufgefordert, die Mittel für die Radverkehrsförderung wie im Rahmen des Diesel-Gipfels auf 200 Millionen Euro aufzustocken, etwa um den Bau der erforderlichen Radschnellverbindungen zu ermöglichen. Rolf-Georg Köhler, Oberbürgermeister der Stadt Göttingen, machte deutlich, dass Gesetzgeber und Arbeitgeber in der Pflicht sind, um die Rahmenbedingungen für die Fahrradnutzung hinsichtlich eines einheitlichen Regelsystems aber auch bezüglich steuerlicher Berücksichtigung zu verbessern. Die Strategie des Bundes bei der Radverkehrsförderung erläuterte die Fahrradbeauftragte und Leiterin der Stabsstelle Radverkehr und Verkehrssicherheit, Karola Lambeck.

Bürgermeister Andreas Weber aus Rothenburg/Wümme, einer niedersächsischen Kleinstadt mit gut 22.000 Einwohnern, schilderte sehr anschaulich anhand eines Beispiels aus der kommunalen Praxis, wie durch kontinuierliche Arbeit an der Infrastruktur und Kommunikation mit den Bürgern eine Kommune fahrradfreundlich werden kann.

Hans-Peter Wyderka aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung zeichnete in seinem Vortrag nach, wie das Land Niedersachsen sein ambitioniertes Ziel erreichen will, Fahrradland Nr. 1 zu werden und erläuterte dazu den Prozess der Erarbeitung des landesweiten Fahrradmobilitätskonzeptes.

Auf der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Pendlerrepublik Deutschland: Mit innovativen Konzepten den Radverkehr im Alltag stärken“ diskutierten Dr. Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, und Dirk-Ulrich Mende, Geschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages wie der Umstieg aufs Fahrrad auch für Pendler gelingen kann. Dr. Marco Trips machte deutlich, dass es derzeit noch an der besseren Anbindung des ländlichen Raumes etwa durch den Bau von Radschnellwegen bedürfe und forderte, vor diesem Hintergrund einen gewissen Realismus in der Debatte ein. Dirk-Ulrich Mende hob die Bedeutung der Vernetzung des Fahrrades mit anderen Mobilitätangeboten wie dem ÖPNV hervor, damit die Pendler im Alltag vom Auto umsteigen. Gerade das E-Bike ermöglicht es, längere Distanzen problemlos und autofrei zurückzulegen. Ulrich Syberg, ADFC-Bundesvorsitzender konstatierte, dass die Steigerung des Radverkehrsanteils ohne eine deutliche Erhöhung der investiven Mittel für die Radverkehrsförderung nicht gelingen werde. Er machte deutlich, dass aus öffentlichen Mitteln mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr zur Förderung des Fahrradverkehrs aufgewendet werden sollen und forderte hierzu die Unterstützung des Bundes. Der Landrat des Kreises Göttingen, Bernhard Reuter, verwies auf die Bedeutung sicherer Radverkehrsanlagen. Mit Blick darauf schloss er sich der Forderung nach mehr Investitionen in den Radverkehr an und hob die Bedeutung der interkommunalen Zusammenarbeit bei einer wirksamen Radverkehrsförderung hervor. Thomas Dienberg, Stadtbaurat der Stadt Göttingen erläuterte, wie die Stadt und den Anteil der Fahrradpendler deutlich erhöht hat. Er verwies aber auch auf darauf, dass es eines steten Diskussionsprozesses mit der Bevölkerung und eines langen planerischen Vorlaufs bedarf, um den Straßenraum zugunsten der Radfahrer neu aufzuteilen oder Stadtquartiere fahrradfreundlich zu planen bzw. umzugestalten. Um Neues auszuprobieren, müsse es eine Experimentierklausel in der StVO geben.

Die inhaltliche Vertiefung einzelner aktueller Radverkehrsthemen erfolgte in drei Fachforen.

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