Schwerpunkte

© Thaut Images - Fotolia.com

Statistik

2017-08-09
Organisierte Kriminalität 2016 in Deutschland: Anstieg im Bereich der Einbruchskriminalität
© sdecoret - Fotolia.com

Das Bundeskriminalamt hat das Lagebild 2016 zur organisierten Kriminalität veröffentlicht. Während die Strafverfahren nominell zwar zurückgegangen sind, sind die verursachten Schäden er­heblich gestiegen. Der Grad der Pro­fessionalisierung der Tätergruppen steigt. Schwerpunkte der insgesamt 563 Ermittlungsverfahren liegen im Bereich des Rauschgifthan­dels/-schmuggels, der Eigentumskriminalität und der Steuer- und Zolldelikte. Die für das Jahr 2016 gemeldete Schadenssumme liegt bei 1,01 Mrd. Euro.

Die organisierte Kriminalität hat im Bereich der Kfz-Diebstähle, aber auch im Hinblick auf Gewerbe- und Wohnungseinbruchsdiebstähle deutlich - um 16,2 % - zugenommen. Die Schäden allein in diesem Bereich belaufen sich auf 54 Mio. Euro (5,4 %). Angestiegen ist die organisierte Kriminalität 2016 in Bayern und Baden-Württemberg, Bremen und Berlin. Das Lagebild bekräftigt die vom DStGB seit langem erhobene Forderung, insbesondere die organisierte Bandenkriminalität von Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen effektiver zu bekämpfen, um das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger in den Kommunen zu stärken. 


Das Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität“ für das Jahr 2016 enthält die aktuellen Erkenntnisse zu Lage und Entwicklung im Bereich der organisierten Kriminalität in Deutschland. Es wird vom Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern, dem Zollkriminalamt und dem Bundespolizeipräsidium erstellt.

Aus dem Lagebild lassen sich folgende aktuelle Erkenntnisse zusammenfassen:

Schadens- und Bedrohungspotenzial der orga­nisierten Kriminalität weiterhin auf hohem Niveau

Die Zahl der Ermittlungsverfahren ist 2016 geringfügig von 566 auf 563 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Kriminalitätsschwerpunkte liegen im Bereich des Rauschgifthan­dels/-schmuggels, der Eigentumskriminalität (Kfz- und Einbruchsdiebstähle) und der Steuer- und Zolldelikte. Dagegen ist im Vergleich zum Jahr 2015 die Schadenssumme von 1,01 Mrd. Euro enorm gestiegen. Die erhebliche Steigerung beruhte in erster Linie auf Schäden der 275 neu gemeldeten Ermitt­lungsverfahren in Höhe von rund 865 Millionen Euro, insbesondere bei der Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben und Geldwäsche. Fast ein Drittel dieses Schadens (296 Millionen Euro) ist bei einem Verfahren mit Briefkastenfirmen in sogenannten Steueroasen entstanden. Es folgten die Bereiche Steuer- und Zolldelikte mit rund 227 Millionen Euro (22,6 %), Eigentumskriminalität mit etwa 54 Millionen Euro (5,4 %) sowie Cybercrime mit ungefähr 29 Millionen Euro (2,9 %). 78 % der Ermittlungsverfahren weisen einen Bezug ins internationale Ausland auf.

 Anstieg der organisierten Eigentumskriminalität

 Nach dem im Jahr 2015 festgestellten Rückgang an Verfahren aus dem Bereich der Eigentumskriminalität wurden diesbezüglich im Jahr 2016 wieder 14 Verfahren mehr gemeldet, was einem Anstieg um 16,7 % entsprach (2016: 98, 2015: 84).

Ursächlich für diesen Anstieg war in erster Linie die große Anzahl von 24 Erstmeldungen auf dem Gebiet der Kfz-Sachwertdelikte. Dabei wurde – nach einem erheblichen Rückgang im Vorjahr – im Berichtsjahr 2016 mit insgesamt 44 Verfahren ein Anstieg von 29,4 % bezüglich der Kfz-Sachwertdelikte festgestellt. Diese wurden überwiegend von polnischen (14, 31,8 %) und litauischen (12, 27,3 %) Tatverdächtigen dominiert. Darüber hinaus ist die Zahl der Verfahren im Bereich der Gewerbe- und/oder Wohnungseinbruchdiebstählen erneut angestiegen: In insgesamt 43 Verfahren wurde wegen Einbruchdiebstählen ermittelt (2015: 37) – eine Steigerung um 16,2 %. Der Einbruchdiebstahl wird weiterhin im Fokus der Strafverfolgungsbehörden stehen. Die Fallzahlen dürften auf hohem Niveau bleiben. Festgestellt wurde ein hoher Organisationsgrad bei Eigentumsdelikten und die professionelle und routinierte Vorgehensweise in den Deliktsbereich. Nur durch eine weitere Intensivierung der Bekämp­fungsbemühungen kann diesem Phänomen wirk­sam entgegengetreten werden.

Tatverdächtige besitzen überwiegend deutsche Staatsangehörige

Deutsche Staatsangehörige stellten mit 34,3 % (2015: 36,8 %) weiterhin den größten Anteil an neu ermit­telten Tatverdächtigen. 32,5 % (2015: 34,7 %) besitzen einen deutschen Pass.  Den zweiten Rang unter den neu ermittelten Tat­verdächtigen belegten mit einem Anteil von 11,1 % türkische Staatsangehörige (2015: 9,6 %), gefolgt von polnischen Staatsangehörigen mit 6,5 % (2015: 5,9 %).

Tätergruppierungen passen sich gesellschaftlichen und technologischen Gegeben­heiten an

Der Grad der Pro­fessionalisierung steigt. Dies zeigt sich u. a. in der hohen Mobilität: So reisen die Gruppierungen nach Deutschland, um hier über einen gewissen Zeitraum Straftaten zu verüben, und kehren anschließend wieder in ihre Heimatstaaten zurück. Gerade die durch die fortschreitende Technisierung bedingten Tatbegehungsweisen der Gruppierun­gen, wie z. B. Nutzung von verschlüsselter Kommu­nikation oder die Möglichkeiten des Internets als Tatmittel, stellen die Strafverfolgungsbehörden vor große Herausforderungen. So steigt u. a. der Um­fang der zu sichernden Daten, wodurch regelmäßig personalintensive und zeitaufwändige Ermittlungen notwendig sind.

Das vollständige Bundeslagebild „Organisierte Kriminalität 2016“ ist unter https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/OrganisierteKriminalitaet/organisierteKriminalitaetBundeslagebild2016.html?nn=27988 abrufbar.

Bewertung

Die organisierte Kriminalität muss aus Sicht des DStGB effektiver bekämpft werden. Insbesondere der Anstieg im Bereich der Wohnungs- und Geschäftseinbrüche ist besorgniserregend und trägt erheblich zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Das Bundeskriminalamt bestätigt, dass die Fallzahlen weiterhin auf hohem Niveau bleiben. Der hierdurch entstehende Schaden ist beachtlich und nicht weiter hinzunehmen. Es ist daher folgerichtig, dass der Deliktsbereich weiterhin im Fokus der Strafverfolgungsbehörden stehen wird. Auch wenn die Einbruchskriminalität in Deutschland 2016 erstmals leicht zurückgegangen ist, gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Der DStGB hat bereits frühzeitig einen eigenen Forderungskatalog zur Verbesserung der Sicherheit in Kommunen erstellt (vgl. Positionspapier des DStGB „Innere Sicherheit stärken“, abrufbar unter www.dstgb.de) und sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, den Anstieg von Wohnungs- und Geschäftseinbrüchen, insbesondere den Bereich der organisierten Bandenkriminalität, weiterhin konsequent zu bekämpfen. Hierfür müssen die Sicherheitsbehörden der Länder in Deutschland, aber auch im Ausland, weiterhin eng mit- und untereinander kooperieren und innerhalb Deutschlands die Telekommunikationsüberwachung sowie die Verkehrsdatenüberwachung bundesweit ermöglicht werden.

Cookies optimise the provision of our services. By using our services you agree that we use cookies.