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Studie

2017-09-07

R+V-Studie 2017: Trotz leichtem Rückgang Ängste der Deutschen weiterhin überdurchschnittlich hoch

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Die aktuelle R+V-Studie 2017 zeigt: Die Ängste der Deutschen sind im gegenüber dem Vorjahr ganz überwiegend gesunken. Dennoch bestehen weiterhin überdurchschnittlich große Ängste v.a. im Hinblick auf Terroranschläge, politischer Extremismus und Spannungen zwischen Deutschen und den bereits hier lebenden Ausländern. Dagegen ist das Vertrauen in die Arbeit der Politiker gestiegen. Diese werden nicht mehr so stark als überfordert angesehen wie im Jahr 2016. Aus Sicht des DStGB besteht trotz besserer Umfragewerte keine Entwarnung im Hinblick auf die aktuelle Sicherheitspolitik. Alle staatlichen Ebenen sind in der Verantwortung, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken und Kriminalität, Gewalt, politischem und religiösem Extremismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen. Das Personal der Polizei und Justiz muss flächendeckend aufgestockt, die Polizeipräsenz verstärkt und kommunale Kompetenzen bei der Videoüberwachung ausweiten ausgeweitet werden.

Aus der aktuelle R+V-Ängste-Studie 2017 des Infocenters der R+V Versicherung gehen folgende Ergebnisse hervor:

Trotz leichtem Rückgang: Deutsche haben große Angst

Die meisten Ängste sind gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dadurch ist auch der Angstindex – der Durchschnitt der abgefragten Sorgen – im Vergleich zu 2016 gesunken (um 6 Prozentpunkte auf 46 Prozent). Im Licht des mittel- und langfristigen Wandels betrachtet sind die Top-Ängste 2017 sehr hoch und liegen weit über dem üblichen Niveau.

Das untermauert auch ein Blick in den Langzeitvergleich. 2017 überspringt fast die Hälfte der abgefragten 20 Sorgen die 50-Prozent-Marke – deutlich mehr als in den meisten Studien zuvor. Vier Ängste erreichen sogar den zweithöchsten Wert seit Beginn der Umfrage: Weit überdurchschnittlich viele Bürger fürchten sich in diesem Jahr vor Terror, Extremismus, Spannungen durch den weiteren Zuzug von Ausländern und vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln. Wie im vergangenen Jahr belegen die Ängste vor Terror (71 Prozent) und politischem Extremismus (62 Prozent) die Spitzenplätze. 61 Prozent der Bundesbürger befürchten, dass es durch den weiteren Zuzug von Ausländern zu Spannungen zwischen den Deutschen und den bereits hier lebenden Ausländern kommen könnte – Platz drei der aktuellen Studie. Unvermindert hoch ist mit 57 Prozent auch die seit drei Jahren abgefragte Angst vor der Überforderung von Bürgern und Behörden durch die große Zahl der Flüchtlinge.

Zwei Ängste sind in diesem Jahr größer als 2016 – beide betreffen die Umwelt. Noch bevor der jüngste Lebensmittelskandal mit den Fipronil-belasteten Eiern öffentlich wurde, befürchteten 58 Prozent der Deutschen, dass Nahrungsmittel immer stärker mit Schadstoffen belastet sein könnten (Platz fünf, plus 1 Prozentpunkt). 

Von 52 auf 56 Prozent gestiegen ist die Angst vor Naturkatastrophen (Platz sieben). Dieses Ergebnis resultiert im Wesentlichen aus einem sprunghaften Anstieg von 13 Prozentpunkten im Osten (Ost: 54 Prozent; West: 56 Prozent). Damit ist diese Sorge in Ost und West im Unterschied zu früher mittlerweile fast gleich hoch –In der Vergangenheit beschäftigten ‚grüne‘ Themen die Westdeutschen meist deutlich mehr. Dazu gehört auch die Angst vor vermehrten Wetterextremen wie Stürme, Starkregen, Hagel und Überschwemmungen.

Erhebliche Sorgen bereitet den Deutschen weiterhin die Schuldenkrise in etlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Die Befürchtung, dass die deutschen Steuerzahler für überschuldete Länder zur Kasse gebeten werden, bleibt mit 58 Prozent hoch (Platz vier im Ranking) – auch wenn sie gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozentpunkte gesunken ist.

52 Prozent der Bundesbürger haben große Angst davor, im Alter pflegebedürftig zu werden. Da aktuelle Themen diese Sorge überschatten, liegt sie allerdings nur auf Platz neun im Ranking.

Weniger Sorgen um Überforderung der Politiker

Die Angst vor einem Kontrollverlust des Staates ist weiterhin groß und manifestiert sich auch in der Beurteilung der Politiker. Wie im vergangenen Jahr zweifelt die Mehrheit der Deutschen daran, dass die Volksvertreter ihren Aufgaben gewachsen sind – allerdings mit einem Rückgang von 10 Prozentpunkten. Mit 55 Prozent rangiert die Furcht vor Überforderung der Politiker in diesem Jahr auf Platz acht. Zum zweiten Mal in Folge sinkt diese Angst vor einer Bundestagswahl. Das war in früheren Wahlkampfzeiten anders.

Leicht verbessert hat sich 2017 auch die Bewertung, im Hinblick auf die Arbeit der Politiker– von durchschnittlich 4,2 auf 3,9. Knapp 9 Prozent der Deutschen stellen den Politikern ein positives Zeugnis aus und bewerten ihre Arbeit mit ‚sehr gut‘ oder ‚gut‘. Fast jeder dritte Befragte (30 Prozent) straft sie hingegen mit ‚mangelhaft‘ oder ‚ungenügend‘ ab.“

Wirtschaftliche Sorgen auf Rekordtief

Geringer als je zuvor im Verlauf der Langzeitstudie sind die Ängste vor Arbeitslosigkeit und einer Verschlechterung der Wirtschaftslage. Mit 17 Prozentpunkten am stärksten gesunken ist die Befürchtung, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland ansteigen könnten. Sie liegt mit 26 Prozent auf dem vorletzten Platz. Fast ebenso gering ist die Angst vor dem Verlust des eigenen Jobs (minus 11 Prozentpunkte auf 27 Prozent). Die Furcht vor einem Abwärtstrend der Wirtschaft ist um 15 Prozentpunkte auf 37 Prozent abgesackt – und damit ebenfalls auf Rekordtief. 59 Prozent der Ostdeutschen befürchten dennoch, dass die Lebenshaltungskosten steigen, im Westen sind es 48 Prozent.

Das R+V-Infocenter hat zum 26. Mal rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt.

Anmerkung

Aus Sicht des DStGB zeigt die Umfrage, dass die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger trotz verbesserte Umfrage weiterhin auf einem überdurchschnittlichen Niveau sind. Es besteht daher weiterhin ein massiver Handlungsdruck, um das Vertrauen in den Staat wieder zu stärken und den Bürgerinnen und Bürgern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Hierzu muss die Polizeipräsenz auch in der Fläche ausbaut, der Schutz vor Alltagskriminalität verbessert, kommunale Kompetenzen bei der Videoüberwachung ausgeweitet, Justiz personell und fachlich ertüchtigt und ein effektiver Schutz von Kommunalpolitikern vor Hasskriminalität etabliert werden. Der gesamte Forderungskatalog des DStGB zur Verbesserung der inneren Sicherheit sowie die Erwartungen des DStGB an die Bundespolitik sind unter www.dstgb.de abrufbar.

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