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2013-05-30
Mitte-Studie: Zustimmung für rechtsextreme Ansichten weiter gestiegen
Laut der jüngsten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Die Mitte in der Krise“ ist in Deutschland gegenüber dem Jahr 2010 der Prozentsatz derer, die über ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild verfügen, von 8,2 auf 9,0 Prozent angestiegen. Fast jeder zehnte habe ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, jeder vierte ausländerfeindliche Meinungen, elf Prozent antisemitische. Der DStGB unterstützt die Initiativen gegen Rechtsextremismus mit seinem www.dstgb.de-Schwerpunkt „Bekämpfung des Rechtsextremismus“. Aus DStGB-Sicht bestätigt die Studie die hohe Bedeutung der Bildung als Schlüssel gegen den Hass und, dass trotz einiger Besonderheiten Rechtsextremismus keineswegs ein reines ostdeutsches Problem ist.

Die Autoren der Studie hoben hervor, die jüngste Erhebung habe erneut gezeigt, wie hoch der Einfluss von Bildung auf die Verbreitung von rechtsextremen Einstellungen ist. "Die Zustimmungswerte der Befragten ohne Abitur zu den einzelnen Dimensionen sind durchgehend mehr als doppelt so hoch wie bei der Gruppe, die mindestens den Bildungsabschluss Abitur hat", heißt es in der Studie. Zudem wurde deutlich, dass Befragte über 60 Jahre in allen Dimensionen deutlich höhere Zustimmungswerte haben.

Zu Ostdeutschland heißt es in der Studie, dass dort eine Generation heranwachse, die starke Zustimmungswerte zu rechtsextremen Einstellungen zeigten. "Hier wächst eine Generation heran, die alle bisherigen Gruppen in ihrer rechten Einstellung zu überbieten droht", warnen die Autoren. Wie sich bereits im Jahr 2010 angedeutet habe, könne man "inzwischen von einem klaren Trend in Ostdeutschland sprechen: Derzeit haben knapp 16 Prozent der Ostdeutschen ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild, Tendenz steigend". Vor zwei Jahren lag dieser Wert bei 10,5 Prozent.

Alleine mit Strukturproblemen in Ostdeutschland, lasse sich diese Zunahme nicht erklären, meinen die Forscher. Unter den ostdeutschen Befragten war die Zustimmung zu rechtsextremen Einstellungen durchweg höher als bei den Westdeutschen - besonders deutlich fiel dies bei dem Thema Ausländerfeindlichkeit auf. Gleichwohl warnten die Wissenschaftler davor, Rechtsextremismus als reines ostdeutsches Problem zu klassifizieren. Abwärtsdriftende Regionen gebe es zwar vor allem in Ostdeutschland, aber nicht nur dort. Stadtstaaten (Hamburg, Berlin) würden in diesen Untersuchungen grundsätzlich besser abschneiden als ländlich geprägte, weniger industrialisierte Flächenstaaten. Die Ausländerfeindlichkeit sei zudem nicht etwa da besonders hoch, wo sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen täglich begegnen, sondern dort, wo kaum Migranten wohnen.

Die Wissenschaftler mahnen, nicht nur der Aufarbeitung der rassistisch motivierten Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" mediale Beachtung zu kommen zu lassen, sondern auch dem „menschenfeindlichen Denken und Rassismus in ihrer alltäglichen Ausprägung“. Diese Haltungen böten den Resonanzboden für das Entstehen von organisiertem, gewalttätigem Rechtsextremismus. Auf der Einstellungsebene sei Rechtsextremismus kein Randproblem, sondern "eines der Mitte der Gesellschaft".

Als Grundlage für die Studie wurden in diesem Sommer 2415 deutsche Staatsangehörigen sowie 95 Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft befragt. Die gesamte Untersuchung steht online zur Verfügung unter www.fes.de.

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