Klimawandel im Wald

Stadt Augsburg - Initiative Zukunftswald

Steckbrief:

Name der Kommune: Augsburg 

Einwohnerzahl und Lage: 300.000 Einwohner, liegt in Bayern im Regierungsbezirk Schwaben. Die beiden Flüsse Lech und Wertach prägen die Stadt; die dazugehörigen Auwälder fördern die Lebensqualität und sind Schwerpunkte der Naherholung. Darüber hinaus hat Augsburg große Waldeigentumsflächen außerhalb des Stadtgebietes. Insgesamt ist die städtische Forstverwaltung zuständig für rund 7.700 ha Bewirtschaftungsfläche (inkl. Betreuungswäldern).  

Projekt: Initiative Zukunftswald

Ansprechpartner: Jürgen Kircher (Amtsleiter, Forstverwaltung mit Unterer Jagdbehörde) Tel. 0821 324 – 6110, forst@augsburg.de

Website: www.augsburg.de / www.augsburg.de/stadtwald 

Der Augsburger Stadtrat hat 2015 die Zukunftsleitlinien für Augsburg beschlossen. Um die vielen Wirkungsbereiche nachhaltiger Entwicklung besser greifbar zu machen, wird von vier Dimensionen ausgegangen - einer ökologischen, einer sozialen, einer wirtschaftlichen und einer kulturellen. Grundlage ist der Schutz der belebten Umwelt. Klimaschutz, der Schutz von Boden, Wasser und Luft, mit besonderem Augenmerk auf Ressourcenschonung, der Artenschutz und umweltfreundlicher Verkehr sind die fundamentalen Anliegen der städtischen Nachhaltigkeitsagenda (siehe https://www.nachhaltigkeit.augsburg.de/zukunftsleitlinien). 

Auf Vorschlag des Klimabeirats hat der Augsburger Stadtrat ein neues Ziel zur städtischen CO2-Reduzierung beschlossen. Ab dem 1. Januar 2021 soll ein CO2-Emissions-Restbudget von 9,7 Millionen Tonnen eingehalten werden. Dieses Ziel ist als Beitrag der Stadt Augsburg zu verstehen, die Erderwärmung mit einer 2/3-Wahrscheinlichkeit auf 1,5-Grad zu begrenzen. Dieses sehr ambitionierte Klimaschutzziel kann nur über eine ganzheitliche Klimaschutzstrategie erfolgreich gestaltet werden kann. Die schnelle Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasemissionen in allen Sektoren (Industrie, Gewerbe-Handel-Dienstleistungen, Private Haushalte, Verkehr) wird die Hauptaufgabe sein. Konkrete Schritte hierfür sollen über eine Studie bis Ende 2021 identifiziert werden. Schon jetzt ist aber klar: Nicht oder noch nicht vermeidbare CO2-Emissionen müssen auch regional ausgeglichen werden. 

Hier kommt nun die städtische Forstverwaltung ins Spiel. Augsburg ist seit über 770 Jahren Waldbesitzerin und mit einer Bewirtschaftungsfläche von rund 7.700 ha größter Kommunalwald Bayerns. Bei den Maßnahmen, die dem Klimawandel entgegenwirken bzw. diesen bremsen, geht es auch um den Erhalt und die Förderung von Ökosystemen – vor allem jenen, die als CO2-Senken fungieren. Der Augsburger Waldbesitz ist ein großer natürlicher Speicher von Kohlendioxid. Neben weiteren Aufforstungen hat vor allem eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ein großes Potenzial für angestrebte langfristige CO2-Bindung.

Waldbauliche Zielsetzung der städtischen Forstverwaltung sind strukturierte, klimaresiliente, gemischte Dauerwaldbestände. Mit ihnen soll eine Balance zwischen allen Ansprüchen, die an den Stadtwald gestellt werden, herrschen. Um das zu erreichen, ist Augsburg dabei neue Wälder zu pflanzen und die vorhandenen fichtendominierten, gleichaltrigen Bestände durch Voranbauten zur Zielsetzung hinzuführen. Konsequente Waldpflege und eine waldfreundliche, tiergerechte Jagd sind weitere Erfolgsgaranten. Darüber hinaus wird versucht, Landflächen in neue Wälder umzugestalten. Die Aufforstungen erfolgen unter Berücksichtigung der Standortverhältnisse und der Verwendung von herkunftsgesichertem Pflanzmaterial hin zu naturgemäßen Laubmischbeständen. Diese Strategie wird seit Jahrzehnten verfolgt, muss jedoch vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels mit den dazugehörigen Extremwetterlagen maximal forciert werden. 

In Augsburg wird versucht, die Bürgerinnen und Bürger „in den Wald einzuladen“ und sie bei Aktionen einzubeziehen. Das im Jahr 2002 eröffnete Forstmuseum Waldpavillon ist die Umweltbildungsstätte der städtischen Forstverwaltung. Neben Führungen für Groß und Klein, werden dort Pflanzaktionen, Bildungsarbeit und andere pädagogische Aktivitäten erdacht und umgesetzt. Die sieben Forstreviere – über vier Regierungsbezirke Bayerns verteilt – sind dabei maßgeblich an der Umsetzung beteiligt. Gerade Schulklassen, Kindergärten, Arbeitsgemeinschaften von Stadtteilen und verschiedenste Interessensgruppen werden zu den Pflanzaktionen eingeladen. Diese Angebote werden rege und gerne von der Bevölkerung angenommen. 

Sowohl die Schaffung neuer Wälder, als auch der Waldumbau kosten Geld. Die Einnahmen eines Forstbetriebes nur auf den Verkauf von Holz aufzubauen, tritt – gerade in schlechten Forstwirtschaftsjahren – zu kurz. Augsburgs Forstverwaltung ist deshalb dabei auch andere Leistungen des Waldes in Wert zu setzen. So gibt es eine Sandgrube, Windkraftanlagen oder naturschutzfachliche Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen, die im Wald umgesetzt, der Forstverwaltung zu Gute kommen. Zunehmend, vor allem seit die Klimadebatte breiter in der Bürgerschaft geführt wird, beteiligen sich auch Firmen oder Privatpersonen am Waldumbau und an den Aufforstungen. Alternative Geldquellen sollen die Zielerreichung im Wald beschleunigen. Davon profitieren auch vier ehemals waldbesitzende Stiftungen, die am Großteil der Erträge der Forstverwaltung beteiligt sind und sich für soziale und kulturelle Zwecke in Augsburg engagieren (v. a. im Bereich Altenhilfe).