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Abfallwirtschaft

2020-08-20
VKU-Studie: Einwegplastik & Zigarettenkippen in der Umwelt kosten jährlich 700 Mio. €
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Städte und Gemeinden in Deutschland zahlen jährlich rund 700 Millionen Euro, um Parks und Straßen von Zigarettenkippen, To-Go-Bechern und anderen Einwegplastik-Produkten zu reinigen sowie öffentliche Abfallbehälter zu leeren und die Abfälle zu entsorgen. Davon entfallen allein auf die Entsorgung von Zigarettenkippen rund 225 Millionen Euro. Für die Entsorgung von To-go-Bechern aus Plastik fallen rund 120 Millionen Euro pro Jahr an. Das ist das Ergebnis einer Studie des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Es handelt sich dabei um die erste Analyse, die repräsentative und aktuelle Zahlen zu den Reinigungs- und Entsorgungskosten der Kommunen zur Verfügung stellt und nach den unterschiedlichen Abfallarten aufschlüsselt. 

Pro Einwohner und Jahr entsorgen die kommunalen Stadtreiniger in Deutschland knapp 140 Liter Straßenmüll. Das ist die Menge, die in Straßenpapierkörben, auf der Straße oder im Gebüsch landet. Ein Großteil dieser Abfälle sind mit mehr als 40 Prozent Produkte aus Einwegplastik und Verpackungen. Knapp 50 Prozent des Volumens machen Grünabfälle, Straßensplit oder Sand aus. Das sind Abfälle, die umweltbedingt anfallen oder aus dem Winterdienst stammen und sich damit nicht vermeiden lassen.

Einwegkunststoffe wie To-Go-Lebensmittelverpackungen oder Zigarettenkippen machen knapp 20 Prozent des Volumens aus. An den Kosten für die Beseitigung und Entsorgung dieser Kunststoffe im öffentlichen Raum sollen gemäß europäischer Einwegkunststoff-Richtlinie künftig die Hersteller in Zukunft finanziell beteiligt werden. Diese Kosten machen im deutschlandweiten Durchschnitt laut Studie rund ein Viertel der gesamten Entsorgungskosten aus. 

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Für die repräsentative Studie wurden in 20 ausgewählten Klein-, Mittel- und Großstädten in Deutschland Abfälle aus Straßenpapierkörben und Kehricht analysiert und auf dieser Basis deren Entsorgungskosten ermittelt. Die Studie wurde im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) vom INFA-Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management durchgeführt.

Die Studie kann hier, auf der Website des VKU heruntergeladen werden.

Anmerkung des DStGB

Die Verschmutzung in deutschen Städten und Gemeinden durch den achtlosen Umgang mit Abfall (Littering) hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. In Deutschland fallen jährlich immer noch rund sechs Millionen Tonnen Plastikmüll an. Getränkebecher und andere Verpackungen wie Einweggeschirr und -besteck aus Imbissen oder Fast-Food-Restaurants werden nur kurzzeitig verwendet, im Schnitt 10 Minuten. Der Trend zum to-go-Essen und Trinken stellt ein zunehmendes gesellschaftliches Problem dar. Es kommt vermehrt zu einer Vermüllung von Grünanlagen und zu einer Verschandelung der Städte. Nicht zuletzt zeigen dies die in diesem Sommer abseits von Bars und Diskotheken stattfindenden Partys im Freien nach Lockerung der Corona-Beschränkungen. Die Zahlen zeigen, dass ein Umdenken bei den Bürgerinnen und Bürgern notwendig ist. Die Entsorgung von Einwegplastikartikel bindet Personal und treibt die Kosten für die Straßenreinigung in die Höhe, die wiederum auf die Allgemeinheit umgelegt werden.

Insofern ist auch der Vorstoß der EU-Kunststoffrichtlinie aus dem letzten Jahr 2019, der eine finanzielle Beteiligung der Hersteller von Coffee togo-Verpackungen und Zigaretten an den Kosten für die Stadtreinigung vorsieht, zu begrüßen. Jetzt gilt es, diese Vorgabe rasch in das nationale Recht umzusetzen.

Die nun veröffentlichte Studie des VKU benennt erstmalig die für die kommunale Entsorgung entstehenden Kosten und stellt damit eine solide Grundlage für eine gerechte Ausgestaltung der künftigen Beteiligung der Hersteller von Einwegprodukten an den Kosten der Stadtreinigung, dar. Allerdings ist für Hersteller von beispielsweise Pizzakartons oder Kaugummis keine finanzielle Beteiligung vorgesehen. Daher ist es notwendig, dass alle litteringintensiven Produkte in die Herstellerverantwortung einbezogen werden. 

Darüber hinaus müssen die Hersteller schon bei der Produktion von Waren auf Ressourceneffizienz, Recyclingfähigkeit und Umweltverträglichkeit achten. Die Entwicklung von innovativen kunststofffreien Alternativen beispielsweise für die Systemgastronomie und Imbissbetreibern muss ebenfalls in den Fokus gerückt werden. Eine Nichtbeachtung muss für Hersteller und Vertreiber finanziell spürbar sein.

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