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23.10.2014
Nr. 129 - Kommunale Impulse generationenübergreifender Arbeit
Vorwort der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig

Mehrgenerationenhäuser sind Orte, an denen Jung und Alt zusammenkommen, voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. An diesen Orten finden Menschen jeden Alters Antworten auf ganz konkrete Alltagsfragen: Wo kann mein Kind während der Ferien betreut werden? Wer unterstützt mich bei der Pflege meiner demenzkranken Mutter? Wer berät mich bei Fragen zur Pflegeversicherung? Wo kann ich mich freiwillig engagieren?

Indem sich Menschen in Mehrgenerationenhäusern für diese Themen engagieren, finden sie – ganz nebenbei, weniger durch grundsätzliche Diskussionen als durch praktisches Tun – Antworten auf größere gesellschaftliche Fragen. Wie wollen wir miteinander leben? Was heißt Solidarität? Und wie sichern wir ein gutes gesellschaftliches Miteinander? Nicht zuletzt gehört hierzu auch die Frage nach der Sicherung einer guten kommunalen Daseinsvorsorge. Das Miteinander der Generationen hält Gesellschaft zusammen. In Zeiten, in denen sich Familienstrukturen wandeln und mehr Menschen allein leben, wird der Zusammenhalt von Alt und Jung wichtiger – und ist gleichzeitig nicht mehr so selbstverständlich. Auch der demografische Wandel erfordert Antworten auf die Frage nach der Solidarität zwischen den Generationen. Mehr Miteinander kann aber nicht staatlich verordnet werden. Es braucht ein Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung, die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfe und, vielleicht am wichtigsten: Praxis. Beispiele, die zum Mitmachen anregen und zeigen: Es geht. Wer an einer Stelle Hilfe braucht, kann an anderer Stelle selbst etwas in die Gemeinschaft einbringen. So etwas funktioniert am ehesten im überschaubaren Raum der Nachbarschaft. An Orten wie den Mehrgenerationenhäusern.

Das Bundesfamilienministerium fördert derzeit rund 450 Mehrgenerationenhäuser. 17 300 Freiwillige engagieren sich bundesweit in den Häusern. In allen Mehrgenerationenhäusern wird hervorragende Arbeit geleistet, die etwas für und mit den Menschen in den Gemeinden, Städten und Landkreisen bewegt. Dabei zeigt sich: Wenn Menschen an einem Strang ziehen, lassen sich viele Ziele besser erreichen. Das Umfeld wird lebenswerter. Aus diesem Grund arbeiten die Mehrgenerationenhäuser in ganz Deutschland eng mit vielen verschiedenen Partnern zusammen – von der Kommune über private Unternehmen und Freiwilligenagenturen bis hin zu lokalen Initiativen.

4 Kommunale Impulse generationenübergreifender Arbeit

Wenn man alle zusammenzählt, stehen mehr als 36 000 Partner bundesweit an der Seite der Mehrgenerationenhäuser im Aktionsprogramm. Eine Zahl, die eine Haltung deutlich macht, ein Prinzip, nach dem Mehrgenerationenhäuser arbeiten: partnerschaftlich. Nicht allein das Rad neu erfinden, sondern gemeinsam handeln. Diese Zahl steht damit auch für die neuen Impulse, die die Häuser bei der Sozialraumgestaltung geben. Die gute Vernetzungsarbeit der Mehrgenerationenhäuser hilft, Angebote im sozialen Bereich übersichtlicher zu gestalten, besser zu koordinieren und so noch wirksamer zu machen. Nicht zuletzt tragen Mehrgenerationenhäuser dazu bei, dass soziale Arbeit vor Ort immer stärker generationenübergreifend gedacht und umgesetzt wird.

Jedes Mehrgenerationenhaus ist etwas Besonderes. Jedes Haus reagiert auf den Bedarf vor Ort und findet individuelle Antworten. Mit der Veranschlagung von 16 Millionen Euro im Regierungsentwurf für den Haushalt 2015 haben wir einen ersten Schritt für eine Weiterfinanzierung aller 450 Häuser gemacht. Wie wichtig eine nachhaltige Sicherung der Mehrgenerationenhäuser auch für die Kommunen ist, zeigen die acht Beispiele auf den kommenden Seiten. Sie sind acht der mehr als 450 guten Gründe, mich mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass wir gemeinsam mit den Ländern und Kommunen eine Lösung finden, um die Mehrgenerationenhäuser auf Dauer zu sichern.

Berlin, Oktober 2014

Manuela Schwesig,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend