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2014-12-22
Integrationsgipfel in Berlin fordert gleiche Ausbildungschancen für alle
Zum 01.12.2014 hatte Frau Bundeskanzlerin Merkel zum 7. Integrationsgipfel in das Bundeskanzleramt eingeladen. Im Zentrum des Austausches standen zwei Themenblöcke: die Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung von jungen Migranten und die Verstärkung der Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.

Der Anteil der jungen Erwachsenen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ohne Berufsabschluss (30,5 %) ist fast dreimal so hoch wie der von jungen Erwachsenen mit deutscher Staatsangehörigkeit (10,9 %). Man war sich einig, dass interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur mit dafür sorgen müssen, dass junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Ausbildungschancen erhalten. Der DStGB, der auf dem Gipfel durch seinen Präsidenten, Herrn Oberbürgermeister Christian Schramm, vertreten war, setzt sich seit langem hierfür ein und weist auf die in DStGB-Kooperation entstandene Broschüre „Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Regionen – Ein Handbuch für Kommunen“ hin.

Jüngste Zahlen aus dem 10. Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland zeigen zwar positive Entwicklungen im Bereich der Schulabschlüsse: Schule: Seit 2008 ist der Anteil der ausländischen Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss von 15,2 Prozent auf 11,6 Prozent 2012 gesunken - deutlicher, als bei deutschen Jugendlichen. Der Anteil der Abiturienten stieg von 11,2 Prozent auf 16,2 Prozent.
Jedoch setzt sich diese Entwicklung kaum im Bereich der beruflichen Ausbildung fort:  Der Anteil der ausländischen jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist fast dreimal so hoch wie bei der von jungen Deutschen (30,5 Prozent zu 10,9 Prozent). Der Bericht stellt fest, dass bis zu Beginn des vergangenen Jahres 44 Prozent der Bewerber ohne Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz gefunden haben - bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund waren es nur 29 Prozent. Jugendliche mit türkisch oder arabisch klingenden Namen würden oft bereits in der ersten Bewerbungsphase benachteiligt, wurde mehrfach berichtet.
Die Probleme bei der Ausbildungsbeteiligung von jungen Migranten setzen sich dann bei den Zahlen zur beruflichen Integration in der Arbeitswelt fort: Trotz hoffnungsvoller Tendenzen in den vergangenen Jahren ist die Arbeitslosenquote bei Ausländern im Vergleich zu Deutschen weiterhin mehr als doppelt so hoch (14,4 Prozent zu 6,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2013).

Die Herausforderung besteht hiernach darin, für die Zeit nach dem inzwischen nicht mehr so problematisch verlaufenden Schulbesuch die Schnittstellen von der Schule hin zur Ausbildung und dann weiter in zum Berufseinstieg besser auf die Erfordernisse der Integration auszurichten.

Bei der Forderung nach gleichen Ausbildungschancen für alle sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière wies in seinem Statement zum Thema "Ausbildung von Migranten im öffentlichen Dienst" auf den Koalitionsvertrag hin, wonach der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst zu erhöhen ist. Gerade die Gewinnung von jungen Migranten für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst soll dabei einen Schwerpunkt bilden. Dabei sei der Bund auch als Arbeitgeber gefragt: nicht nur vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, sondern auch weil sich der öffentliche Dienst "aus der Mitte der Gesellschaft" zusammensetzen solle, sei es richtig, den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund hier zu erhöhen.

Der DStGB hatte im Rahmen der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände bereits in den Dialogprozessen „Nationaler Integrationsplan“ und „Nationaler Aktionsplan Integration“ entsprechende Empfehlungen abgegeben. Zentrale Herausforderung hierfür ist die interkulturelle Öffnung in den kommunalen Verwaltungen. Ausführlichere Handlungsempfehlungen hierzu können der in DStGB-Kooperation entstandenen Broschüre „Interkulturelle Öffnung und Willkommenskultur in strukturschwachen ländlichen Regionen – Ein Handbuch für Kommunen“ entnommen werden.

Der vor allem von der Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung verbreiteten Idee, Arbeitgebern ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren vorzuschreiben, erteilte die Kanzlerin auf dem Integrationsgipfel aber eine Absage: Sie sagte, es sei besser, eine Veränderung in den Köpfen der Personalchefs zu bewirken.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz erklärte nach dem Gipfel: "Wir waren uns einig, dass Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsame Anstrengungen unternehmen müssen, damit wir endlich faire Chancen auf Ausbildung für alle Jugendlichen – egal welcher Herkunft – haben. Unser Ziel ist, mit bewährten Mitteln, wie der Berufseinstiegsbegleitung und den Bildungsketten sowie neuen Instrumenten und Maßnahmen, wie der assistierten Ausbildung, dazu beizutragen, dass alle Jugendlichen eine Ausbildung aufnehmen können. Darüber hinaus müssen wir die interkulturellen Kompetenzen bei Unternehmen und in der Verwaltung verbessern, um so Diskriminierungen entgegenzuwirken."

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