Während politische Entscheidungen auf internationaler Ebene getroffen werden, zeigt sich an der kommunalen Basis in Deutschland ein beeindruckendes Maß an Solidarität. Zahlreiche Städte und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren Beziehungen zu ukrainischen Partnerkommunen aufgebaut oder vertieft. Bereits über 250 deutsch‑ukrainische Kommunalpartnerschaften zeigen, wie breit das Netzwerk lokaler Unterstützung inzwischen geworden ist. Diese Partnerschaften ermöglich dabei nicht nur eine kurzfristige Hilfe, sondern unterstützen beim Wiederaufbau, der EU-Annäherung und der demokratischen Entwicklung der Ukraine. Weiterhin suchen jedoch viele ukrainische Kommunen noch Partner in Deutschland, um auch in herausfordernden Zeiten Wissen und Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Eine aktuelle Übersicht zu Partnerschaftsgesuchen aus der Ukraine findet sich beispielsweise auf der Homepage des RGRE / Deutsche Sektion.
Eine besondere Rolle in der Unterstützung spielt die humanitäre Hilfe – oft organisiert und getragen durch kommunale Netzwerke. Seit Beginn des Krieges sind Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer auf Unterstützung angewiesen. Deutschland hat sich hier früh und umfassend engagiert. Die Bundesregierung leistete bis Anfang 2026 allein 39 Milliarden Euro an ziviler Unterstützung, darunter humanitäre Maßnahmen, Energiehilfen, medizinische Versorgung und Unterstützung für Geflüchtete. Hinzu kommen zahlreiche Spendenaktionen, Hilfstransporte und kommunale Initiativen, die häufig gemeinsam mit europäischen Partnerstädten umgesetzt werden.
Besonders sichtbar wird die praktische Hilfe in Programmen, die gezielt kommunale Strukturen stärken. Ein Beispiel ist das breit angelegte Programm „Verbesserung des Bevölkerungsschutzes und Wiederaufbau in kommunalen Partnerschaften“, das vom Bundesentwicklungsministerium finanziert wird. Es stärkt ukrainische Kommunen dabei, grundlegende Infrastruktur zu sichern, vulnerable Gruppen wie Kinder, Jugendliche oder Kriegsversehrte zu schützen und dringend benötigte Ausstattung zu erhalten – von Medizingeräten bis zu Spiel- und Sportanlagen. Die Hilfspakete werden bedarfsorientiert zusammengestellt und an deutsche Partnerkommunen geliefert, die sie weiter in die Ukraine transportieren. Dadurch entsteht ein eng verzahntes System, das humanitäre Hilfe effizient dorthin lenkt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Dass der Bedarf groß bleibt, zeigen die anhaltenden russischen Angriffe auf Energie- und zivile Infrastruktur. Luftangriffe mit Drohnen, Raketenbeschuss und massive Schäden an kritischen Einrichtungen wie Kraftwerken zwingen Bevölkerung und Einsatzkräfte weiterhin zu einem Alltag im Ausnahmezustand. Umso wichtiger sind Trainings, Ausstattung und internationale kommunale Zusammenarbeit, etwa durch Projekte zur Stärkung ukrainischer Zivilschutzbehörden.
Vier Jahre nach Beginn der Invasion bleibt die Situation dramatisch. Doch der Schulterschluss zwischen deutschen und ukrainischen Kommunen zeigt, wie praktische Solidarität über Grenzen hinweg wirkt – von Energieversorgung über Wiederaufbau bis zur Stärkung demokratischer Selbstverwaltung. Er ist ein Zeichen dafür, dass die Ukraine in ihrem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung nicht allein steht.
