Statement

ÖPNV muss echte Mobilitätsalternative werden

Mit dem neuen Personenbeförderungsgesetz können digital buchbare Fahrdienste den ÖPNV dort ergänzen, wo die Menschen bislang nicht erreicht wurden. Anstelle fester Fahrpläne können Fahrgäste in dünn besiedelten Gebieten mit elektrisch betriebenen Kleinbussen flexibel abgeholt und beispielsweise zum nächsten Bahnhof gebracht werden.

Klar ist aber auch, dass neue Mobilitätsdienste abseits der Großstädte ein Zuschussgeschäft bleiben. Das zeigt sich daran, dass private Anbieter von Ridepooling, Carsharing oder E-Scootern das Land meiden. Der dringend notwendige Ausbau nachhaltiger Verkehrssysteme darf aber nicht von finanziellen Handlungsspielräumen einzelner Kommunen abhängen. Um moderne ÖPNV-Angebote in die Fläche zu bringen, brauchen wir jetzt einen erheblichen Finanzierungsschub bei den so genannten Regionalisierungsmitteln. Vor dem Hintergrund nationaler und internationaler Klimaschutzziele ist der Bund hier gefordert. Daneben braucht es mehr Tempo bei der Digitalisierung und der Vernetzung des ÖPNV mit weiteren nachhaltigen Verkehrsträgern. Bus, Bahn, Radverkehr aber auch Pooling- und Sharing-Dienste können nur gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit im Verkehr sorgen.

Zur Ehrlichkeit in der Debatte gehört schließlich, dass gerade in ländlichen Räumen der Individualverkehr mit dem Auto einen hohen Stellenwert hat und diesen auf absehbare Zeit auch behalten wird. Eine Verteufelung des Autos ist weder für den Wirtschaftsstandort Deutschland vertretbar, noch entspricht sie dem Mobilitätsbedürfnis der Menschen. So werden bei der stark steigenden Anzahl von Rentnern, die demnächst über 80 Jahre alt sind, die wenigsten in der Lage sein, ihren Wocheneinkauf mit dem Bus oder mit dem Rad zu erledigen. Wir müssen deshalb darauf aufpassen, dass sich die Kosten für diejenigen, die zwingend auf das Auto angewiesen sind, nicht weiter erhöhen.

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