Das Hauswächter-Konzept

Mit dem ungewöhnlichen Konzept der Hauswächter ist die niederländische Firma Camelot sehr erfolgreich. Camelot wurde 1993 in den Niederlande gegründet und ist heute europaweit Marktführer auf dem Gebiet des Gebäudeschutzes leerstehender Immobilien. Verwaltet werden öffentliche, gewerblich und private Objekte, die nicht mehr genutzt werden. Beispielsweise befinden sich im Verwaltungskatalog Immobilien wie Kinos, Rathäuser, Polizeistellen, Schulen, Schlösser und Industriegelände. Die Gebäude werden von Camelot zum Schutz vor Schäden an sogenannte „Hauswächter“ vermietet.

In Berlin beispielsweise bewohnt ein Student zwei große Zimmer eines leerstehendes Krankenhaus für gerademal 170 € im Monat, die Kosten für Strom und Wasser sind im Mietspreis bereits enthalten. Ein anderer Student nutzt ein Klassenzimmer einer ehemaligen Berliner Privatschule als Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer. Oftmals wohnen mehrere Leute in den weitläufigen Gebäuden. Durch ihre bloße Anwesenheit schützen die Hauswächter die Gebäude vor Vandalismus oder illegalen Hausbesetzungen, aber auch die Bausubstanz selbst. Denn bei genutzten Objekten verfällt die Bausubstanz nicht so schnell wie bei leerstehenden Gebäuden.

Wer Teil des Konzeptes werden will, kann sich über die Homepage bewerben bzw. melden, das gilt sowohl für Eigentümer als auch für interessierte Mieter. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass Dritte leerstehende Immobilien melden können. Jedoch ist die Angabe des Eigentümers zwingend nötig, damit sich Camelot mit diesem in Verbindung setzen kann. Bevor ein Objekt aufgenommen wird, führt das Unternehmen zunächst eine Eignungsprüfung durch. Hier werden mit dem Eigentümer zentrale Fragen geklärt wie etwa die Vereinbarung der Müllsammlung oder ob die Gebäude sich zum jetzigen Zeitpunkt in einem bewohnbaren Zustand befinden. Wenn die Eignungsprüfung positiv ausfällt, unterzeichnet der Eigentümer einen Dienstleistungsvertrag, mit dem die Verwaltung des Objektes an Camelot übergeht. Der Eigentümer muss dann monatlich eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 195 € an Camelot entrichten, dafür fallen ihm keine weiteren Kosten für Wachpersonal bzw. Hausmeister an.

Auf der Homepage sind die aktuell zu vermietenden Hauswächter-Objekte mitsamt weiterer Informationen und Online-Bewerbungsformular zu finden. Anschließend findet ein telefonisches Bewerbungsgespräch mit einigen ausgewählten Bewerbern statt. Wer nicht auf Anhieb sein „Wunschobjekt“ erhält, hat die Chance innerhalb seiner bevorzugten Region vermittelt zu werden.

Bei einer erfolgreichen Bewerbung unterzeichnen die zukünftigen Wächter nicht wie gewöhnlich einen Mietvertrag, sondern einen Nutzungsvertrag. Da das Hauswächter-Modell als Zwischennutzungs-Konzept fungiert, handelt es sich um einen typengemischten Vertrag mit lediglich mietrechtlichen Elementen.

Die Hauswächter bewohnen die Gebäude solange, bis der Eigentümer einen neuen Investor bzw. Käufer gefunden hat. Ist jemand gefunden, bleiben dem Wächter 4 Wochen Zeit um sich um eine neue Wohnung zu kümmern. Oftmals werden die Hauswächter innerhalb dieser Zeit in ein anderes leerstehendes Gebäude vermittelt. Die Idee des Hauswächter-Konzept von Camelot zeigt, wie leerstehende Objekte ein vorübergehendes außergewöhnliches und günstiges Wohnen ermöglichen, von dem die Eigentümer ebenfalls profitieren können.

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