Hebammen nutzen erfolgreich soziale Medien

Bildrechte Gabi Schoenemann, pixelio

Trotz fehlender finanzieller und institutioneller Ressourcen schafften es einzelne Hebammen innerhalb kürzester Zeit auf dieses Dilemma aufmerksam zu machen und zahlreiche Unterstützer zu mobilisieren. Ihre Meinung verbreiteten sie über Blogs und Social Media- Seiten (bei Facebook gefiel der Aufruf innerhalb von zwei Tagen 10.000 Mitgliedern). Ihr Anliegen wurde medial populär. Sie organisierten Proteste und Kundgebungen. Hinzu kam Ende letzten Jahres die Idee einer Hebamme, eine Online Petition, adressiert an den Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, zu starten. Über Change.org unterzeichneten seither über 400.000 Menschen die Petition. Betrachtet man im Vergleich andere Petitionen, ist das eine hohe Anzahl an Bürgern, die sich mit ihrer Unterschrift beteiligte.

Ausschlaggebend für den Erfolg des Hebammenprotests war zum einen, dass die Thematik leicht verständlich und als Problem der gesamten Gesellschaft dargestellt wurde. Soziale und parteiliche Zugehörigkeiten waren unwichtig, Mütter und Väter jeden Alters fühlten sich angesprochen. Zum anderen werden Schwangere von den Hebammen in der Kampagne nicht als Patient, sondern als Frau wertgeschätzt. Ihr Wohl, das Kindeswohl, die Auswahl und die Sicherheit bei der Entbindung stehen auf den ersten Blick im Mittelpunkt. Das Wohlfühlgefühl wird vor Zahlen gestellt, der medizinische Ansatz bleibt im Hintergrund: Der Schlüssel ist Emotionalität. Damit gelang eine beispiellose Mobilisierung in der Bevölkerung. Als Erfolgsfaktoren zählen die Betroffenheit und die Authentizität, die die Hebammen vermittelten. Sie boten die Möglichkeit, Menschen selbst reden zu lassen und nicht allein über sie zu reden.

Kann diese Tragkraft auch auf andere Themenfelder übertragen werden? Und wenn ja, welche Themen bieten sich für ähnliche, markante Aussagen und Inhalte an? Wie können diese Aufrufe möglicherweise von politischer Seite genutzt werden? Eine Antwort ist schwierig. Sicher ist, dass der Weg über soziale Medien, Blogs und Online-Petitionen hilfreich und sinnvoll ist. Die aufgezählten Möglichkeiten stellen Anknüpfungspunkte der Vernetzung zur Verfügung. Sie schaffen es Menschen unabhängig von Zeit, Ort und in unkalkulierbarer, aber großer Anzahl  zu mobilisieren. Diese Ressourcen, die Bürgern ohne größere Hürden zugänglich sind, führen zu einer raschen Organisation von Gemeinschaft und einem gewissen digitalen Zusammenhalt. Politik könnte sich diese Vorteile über Beteiligungsforen zu Nutze machen, über Themen informieren, diskutieren und daraus Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Kommunen könnten Gemeinschaftsräume als Orte der Kommunikation schaffen. Solche Orte wie beispielsweise Bürgerbüros oder Räumlichkeiten im Rathaus bieten sich für offene Gesprächsrunden an, da sie ohne den Einsatz weiterer finanzieller Mittel vorhanden sind und zeitweise ungenutzt bleiben. Dabei sollte es sich nicht zwingend um eine offizielle Veranstaltung mit Politikern oder ähnlichen Stakeholdern handeln, sondern  allein um einen Ort zum Zusammenkommen. Aktuelle Bedürfnisse können so wahrgenommen werden.

Aus bürgergeleiteter Selbstorganisation könnte politisches Engagement entstehen. Doch welcher Bereich ist heute noch unabhängig von sozialer Herkunft und politischer Gesinnung? Hinzu kommt, dass nicht jeder das Internet als Netzwerk nutzt (gerade wenn an ältere Generationen gedacht wird).
Denkbar wären Aktionen auf lokaler oder regionaler Ebene, zu der die Bürger einen direkten Bezug haben, die Ansprache folglich einfacher ist. Über Zeitungen sowie über Social Media könnten weitere Schritte verbreitet werden.

Hebammenpetition auf change.org (derzeit 403.387 Unterzeichnende)
Datum                           Anzahl Unterschriften
21. Januar 2014             50.000
17. Februar 2014         100.000
18. Februar 2014         150.000
20. Februar 2014         200.000
28. Februar 2014         300.000
12. April 2014               400.000

Hebammenpetition „Heilhilfsberufe“  auf openpetition.de (derzeit 105.386 Unterzeichnende)
Datum                           Anzahl Unterschriften
23. Oktober 2013             50.000
19. November 2013      100.000

Internetauftritte Hebammen:

www.Hebammenverband.de

www.epetitionen.bundestag.de/  Petition 50667

http://www.change.org/de/Petitionen/lieber-herr-gr%C3%B6he-retten-sie-unsere-hebammen

https://www.openpetition.de/petition/online/heilhilfsberufe-sofortmassnahmen-zur-wohnortnahen-versorgung-mit-hebammenhilfe

www.Hebammenfuerdeutschland.de

www.Hebammenblog.de

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Autorin: Swantje Etzold