Öffentlicher Dienst: Weniger Personal, mehr Aufgaben

Personalmangel im Öffentlichen Dienst. Foto: Marco Barnebeck / pixelio.de

Der Deutsche Beamtenbund geht davon aus, dass bei Bund, Ländern und Kommunen 170.000 Fachkräfte fehlen. 142.00 sollen davon auf Städte und Gemeinden entfallen. Dazu äußerte sich DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerd Landsberg mit der Einschätzung, dass es sich dabei nicht um tatsächlich vorhandene, aber nicht besetzte Stellen handelt, sondern um das gewünschte Ziel nach mehr Personalausstattung. 

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Interview im Wortlaut

Deutschlandradio Kultur
Es folgt die tolle Nachricht für arbeitslose Erzieher und Lehrer.
140.000 von Ihnen werden für den öffentlichen Dienst gesucht. Das sagt auf jeden Fall der Deutsche Beamtenbund. Und er sagt auch, dass Feuerwehrleute und Polizisten eingestellt werden müssen, Ärzte fürs Gesundheitsamt und Mitarbeiter in den Jobcentern. Insgesamt 170.000 Fachkräfte sollen demnach bei Bund, Ländern und Kommunen fehlen. 142.000 davon bei Städten und Gemeinden. Eine Zahl, man kann sie kaum glauben.

Gerd Landsberg ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Herr Landsberg, warum sind denn so viele Stellen frei. Wie kann das sein?

Dr. Landsberg
Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich freie Stellen sind oder ob das Stellen sind, die man gerne besetzen würde. Also z. B. bei den Erzieherinnen und Erziehern haben wir in den letzten Jahren Tausende zusätzlich eingestellt. Aber eines ist richtig beschrieben. Wir haben zusehends Probleme, Fachkräfte zu finden und konkurrieren damit auch mit der Wirtschaft, die ja das gleiche Problem hat.

Deutschlandradio Kultur
Also, sind denn die Zahlen nicht seriös oder kann man das so oder auch so sehen?

Dr. Landsberg
Ich weiß nicht, wie sich die Zahlen genau zusammensetzen und woher der Deutsche Beamtenbund die nimmt. Aber, dass wir ein Problem haben, geeignete Leute zu finden, das ist richtig. Und dass auch der Bedarf sehr viel höher ist als man ihn darstellt, auch das ist richtig. Aber das ist ja eine gesellschaftliche Tendenz. Es gibt ja kein Thema mehr, wo nicht Bürgerinnen und Bürger, übrigens auch Politiker sagen, da müssen unbedingt mehr Leute her. Nur, wir können die Leute nicht zaubern und die Finanzierung auch nicht. Das muss man auch einmal klar sehen. 

Deutschlandradio Kultur
Der Deutsche Städtetag hat jetzt in einer Presseerklärung gesagt, den Wettbewerb um die Vergütung kann der öffentliche Dienst gegenüber der Privatwirtschaft nicht gewinnen. Er müsse anderes bieten. Was muss er denn bieten, damit er mithalten kann?

Dr. Landsberg
Das ist richtig beschrieben. Wir haben ja ein sehr enges Korsett des öffentlichen Dienstrechtes, auch der Besoldung. Ein privater Arbeitgeber, der einen IT-Mann haben will der sagt o.k., ich lege 500., 600 oder 1000 Euro drauf und dann macht der Mann das. Unser Vorteil als öffentlichen Dienst gerade in den Städten und Gemeinden sind die weichen Faktoren. Ich kann Teilzeit anbieten. Ich kann sagen, ich organisiere dir auch die Kinderbetreuung. Ich garantiere dir, dass du nicht versetzt wirst auf eine andere Stelle, dass du also am Ort bleiben kannst. Ich kann dir auch möglicherweise vergünstigten Wohnraum zur Verfügung stellen. Diese weichen Faktoren sind vielen Menschen manchmal wichtiger als mehr Geld. Das ist eine Chance, aber er ist eben nur ein Baustein.

Deutschlandradio Kultur
Müssen wir möglicherweise mehr investieren in den öffentlichen Dienst, – vielleicht auch in sauren Apfel beißen und dafür mehr Steuergelder mobilisieren und eintreiben?

Dr. Landsberg
Wenn die Erwartung der Bürger weiter so steigt, ist das genau notwendig. Man kann nicht mit immer weniger Personal immer mehr Aufgaben erfüllen. Man kann aber auch natürlich über andere Lösungen nachdenken. Beispiel: Der Beamtenbund hat ja mit Recht gesagt, es fehlen Polizisten überall. Also wundert euch nicht, dass die Einbruchszahlen steigen. Da kann man aber auch sagen, sollen sich doch bitte die Polizisten auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Muss unbedingt ein Polizist eine Radarkontrolle durchführen? Kann das nicht ein Privater genauso? Dann ist der Mann frei. Ich darf einmal ein Beispiel nennen: Beim letzten deutschlandweiten Blitzmarathon waren 17.000 Polizeibeamten im Einsatz. Ich sage nicht, dass der Blitzmarathon schlecht ist. Ich frage nur, ist das wirklich eine Aufgabe, die unbedingt ein Polizist oder ein Mann vom Ordnungsamt machen muss.

Deutschlandradio Kultur
Wenn wir jetzt einmal vom Ordnungsamt oder der Polizei weggehen und gehen einmal in die Bürgerämter. Viele Bürgerämter sind für den Bürger ja nur noch zu sprechen, nachdem die sich angemeldet haben und dann ein paar Monate später kommen sie ran.

Dr. Landsberg
Diese Beobachtung mache ich so nicht. Dass man sich anmelden kann per Internet verkürzt die Wartezeit und das ist ein weiterer Bereich, wo wir natürlich noch besser werden können. Das sind bestimmte Verwaltungsvorgänge im Netz. Erstens braucht der Bürger nicht laufen, zweitens lässt es sich schneller erledigen nach dem Motto „nicht die Bürger sollen laufen, sondern die Daten“. Da gibt es auch noch viel Bürokratie abzubauen, dass das besser wird. Aber wir werden nie genügend Personal haben, um alle Ansprüche, die teilweise auch die Bürgerinnen und Bürger stellen, sicherstellen zu können.

Deutschlandradio Kultur
Das klingt jetzt alles beruhigend, Herr Landsberg. War das jetzt ein Sturm im Wasserglas, was der Deutsche Beamtenbund da von sich gegeben hat?

Dr. Landsberg
Er weist auf ein richtiges Problem hin. Eine alternde Gesellschaft mit immer weniger jungen Leuten. Eine zunehmende Konkurrenz zwischen privaten Unternehmen und öffentlichem Dienst. Und da muss man sagen, da ist der öffentliche Dienst in vielen Bereichen im Nachteil. Er hat die weichen Faktoren, aber das ist natürlich auch eine Gewerkschaft der Deutsche Beamtenbund. Das ist ja auch in Ordnung. Man muss z. B. einmal die Frage stellen, wenn wir alle immer älter werden und zwar teilweise auch gesünder älter, wie wäre es denn, wenn wir länger arbeiten? Wenn wir alle vielleicht nicht bis 65, sondern demnächst bis 67 oder 68 arbeiten? Wir haben einen Bundespräsidenten, der ist deutlich über 70 und der macht, wie ich finde, einen ziemlich guten Job. Das gilt nicht für jede Funktion. Aber in den meisten Funktionen kann man sehr wohl darüber reden.

Deutschlandradio Kultur
Über die unbesetzten Stellen im öffentlichen Dienst war das der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Ganz

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