23. April – Welttag des Buches „Ich schenk Dir eine Geschichte“

Seit 1995 wird der Welttag des Buches von Literaturfans auf der ganzen Welt gefeiert. Schon zum 20. Mal verschenkt in Deutschland die Stiftung Lesen mit Partnern Bücher an Kinder der 4. und 5. Klassen. In diesem Jahr ist es der Abenteuerroman „Im Bann des Tornados“ von der bekannten Kinder- und Jugendbuchautorin Annette Langen. Die Auflage beträgt 1,2 Millionen Exemplare. Damit ist es die größte Erstauflage eines Kinder- und Jugendbuches in Deutschland. Über eine Buch-Gutschein-Aktion erhalten allein 850.000 Kinder in ganz Deutschland in diesem Jahr das Welttags-Buch kostenlos. Die Bücher werden nicht nur weiter gegeben. Sie werden als Kommunikation, als Versuch für das Lesen zu begeistern in Buchhandlungen in ganz Deutschland ausgegeben. Häufig sind sie sogar das erste eigene Buch, das die Kinder besitzen und tragen so einen entscheidenden Teil dazu bei, junge Menschen bei ihren ersten Schritten in der Literatur zu begleiten.

„Lesekompetenz ist eine entscheidende Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Bildungsbiografie und ein selbstgestaltetes Leben in unserer Gesellschaft“, sagt Florian Langenscheidt. Ganz besonders die verschenkten Bücher sind ein wichtiger Schritt dahin, dass alle Kinder und Jugendliche in Deutschland einen Zugang zum Lesen und zur deutschen Sprache erhalten und bestmöglich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Dieses Jahr ist die verschenkte Geschichte ein wenig anders

Um auch den Flüchtlingskindern, die noch wenig Deutsch sprechen, zu ermöglichen, an der Aktion teilzunehmen, wird die Geschichte zusätzlich zum geschriebenen Teil auf über 30 Seiten in Form von Bildern erzählt. Überhaupt nimmt die Buchbranche große Verantwortung auf sich um bei der Integration zu helfen. Im letzten Jahr sind über 1000 mehrsprachige Titel erschienen und 60 Titel die sich explizit mit dem Thema Integration auseinander setzen. Des Weiteren wird mit Aktionen wie „Bücher sagen Willkommen“ Geflüchteten die Möglichkeit gegeben Deutsch zu lernen aber auch Ablenkung und Zerstreuung zu finden.

Bei der Auftakt-Veranstaltung zum 20. Jubiläum des Welttagbuchs betonten die Initiatoren die dringende Notwendigkeit, Kindern attraktive Zugänge zum Lesen zu ermöglichen. Dazu gehört es auch, Geschichten erlebbar zu machen: So konnten die an der Auftaktveranstaltung teilnehmenden 35 Schülerinnen und Schüler, die zum Teil aus einer Willkommensklasse stammten, einer Lesung von Welttagsbuch-Autorin Annette Langen lauschen und mit dem Illustrator Timo Grubing Szenen aus dem Buch nachzeichnen. Diese Aktionen stehen beispielhaft für zahlreiche Angebote, die Schulen, Buchhandlungen und Bibliotheken in ihrer Region zum Welttag des Buches organisieren. Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes weist darauf hin, dass in diesem Jahr rund 300.000 Flüchtlingskinder in die Schulen kommen. „Ohne Leseverständnis keine Integration, Bücher können Brücken bauen, Bücher können Verständnis für die Gastkultur fördern“, sagt er. Mit dem Buchgeschenk geht es nicht um Symbolpolitik. Das Lesen von Büchern bildet, macht selbstbewusst, schlau und beflügelt Fantasie und Kreativität. Alexander Skipis,

Hauptgeschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels, formuliert so: „Mit dem Engagement zum Welttag des Buches setzt der Buchhandel bereits seit 20 Jahren ein starkes Zeichen für die Leseförderung. So wurden seit Aktionsbeginn im Jahr 1997 über 14 Millionen Bücher an Kinder und Jugendliche verschenkt. Ein grandioses Engagement, das viel positive Resonanz erfährt und immer wieder zeigt: Lesen fasziniert, begeistert und bewegt viele Menschen.“

Auch auf kommunaler Ebene steht der Spracherwerb im Zentrum der Integrationsarbeit

In Waiblingen, zum Beispiel, kann man sich zum Sprachbegleiter ausbilden lassen, um Geflüchteten beim Spracherwerb zur Seite zu stehen. In Emden ist derweil ein Netzwerk von Sprachkursanbietern entstanden, um das Angebot zu organisieren und möglichst vielen Menschen die Möglichkeit der Teilnahme an einem Sprachkurs zu geben. Letztendlich werden durch Konzepte wie „Rucksack“ oder „Griffbereit“ gezielt Flüchtlingseltern von Kitas angesprochen, um in Koordination den bestmöglichen Spracherwerb der deutschen wie auch der Muttersprache zu ermöglichen. Doch auch für deutsche Kinder ist die gezielte Sprachförderung positiv. „Gerade vor dem Hintergrund, dass ein Fünftel aller 15-Jährigen in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat“, sagt Jörg Maas, „brauchen wir öffentlichkeitswirksame Tage wie den Welttag des Buches.“

Bücher sind zweifelsohne ein Grundpfeiler beim Spracherwerb. Astrid Lindgren sagte einmal „Es gibt nichts was ein Buch als Nährboden der Fantasie ersetzen könnte.“ Und auch wenn das Buch zusehends binärer Konkurrenz ausgesetzt ist, Fantasie lässt sich nicht digitalisieren.

(Text: Jonas Wiggers/Franz-Reinhard Habbel, Foto: Jonas Wiggers)