Hintergrundinformationen Deutscher Kommunalwald

Hintergrundinformationen Deutscher Kommunalwald


Gemeinsamer Forstausschuss: Sprachrohr des Deutschen Kommunalwaldes
Der Gemeinsame Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ ist die repräsentative Interessenvertretung waldbesitzender Städte und Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und das Sprachrohr des deutschen Kommunalwaldes, der 20 Prozent der Waldfläche einnimmt. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, des Deutschen Städtetages und des Deutschen Landkreistages.

Der Forstausschuss trifft sich zweimal im Jahr zum Austausch mit Landräten/innen, Bürgermeister/innen und Leitern/innen großer kommunaler Forstbetriebe aus den Bundesländern. Darüber hinaus ist für die Ausschussmitglieder eine vertrauensvolle und sachorientierte Zusammenarbeit mit den für Wald, Forstwirtschaft und Naturschutz zuständigen Ressorts, Vertretern der politischen Parteien, forstlichen Verbänden und der Wissenschaft wichtig.

Zur Situation in den Wäldern:
Die Forstwirtschaft beklagt Schäden in einem bisher nicht bekannten Ausmaß und ein Ende ist nicht absehbar. Betroffen sind nicht nur Fichten- und Kiefernwälder, auf großer Fläche sterben Altbuchen ab und auch Tannen und Eichen leiden schwer – Baumarten, auf die Förster bisher im Klimawandel große Hoffnung gesetzt haben. Viele Folgeschäden bei anderen Baumarten werden erst in 2020 erkennbar sein. Trockene und abgestorbene Bäume entlang von Straßen und Wegen gefährden vielerorts die Verkehrssicherheit und in den Wäldern zudem die Arbeitssicherheit. Zum Schutz der Waldbesucher vor plötzlich herausbrechenden abgestorbenen Ästen und ganzen Kronenteilen müssen bereits Wege und teilweise auch ganze Waldgebiete gesperrt werden.
Staatliche und kommunale Forstbetriebe sowie private Waldbesitzer stoßen an ihre personellen, logistischen und finanziellen Grenzen, um befallene Hölzer zeitnah einzuschlagen, für einen Abtransport des Holzes und somit für eine gewisse Eindämmung der Schäden zu sorgen. Auch Abnehmer für das Holz zu finden, wird zunehmend schwieriger.

Schadholzanfall
Für die Jahre 2018 und 2019 geht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) von einer Menge an Kalamitätsholz von ca. 105 Millionen Festmeter aus. Mit der Schadholzmenge können bis zu fünf Millionen Lkw beladen werden, die hintereinander gereiht zweieinhalb Mal um den Globus reichen. Zum Vergleich: Im Wirtschaftsjahr 2017 lag der Gesamtholzeinschlag in Deutschland bei rund 54 Millionen Festmeter, von denen rund 28 Millionen Festmeter auf die Fichte fielen.

Holzpreise im Sinkflug
Das Überangebot an Holz sorgt für einen drastischen Preisverfall auf dem Holzmarkt. Während vor 2018 noch 80 bis 100 Euro für einen Festmeter Fichte erzielt wurden, sind es heute nur noch 30 bis 35 Euro. Erlöse, die kaum noch in der Lage sind, die Aufarbeitungskosten von rd. 25 Euro je Festmeter zu decken. Und schon gar nicht ausreichen, um die Neuanlage von Wald (10.000 bis 15.000 Euro/Hektar) zu finanzieren. Im Ergebnis führt diese Entwicklung zu existenzbedrohenden Verlusten in der Forstwirtschaft.

Riesige Kahlflächen
Aktuelle Zahlen des BMEL beziffern die durch den schadensbedingten Einschlag von Kalamitätshölzern und durch vertrocknete Kulturen entstandene Freiflächen mittlerweile auf 180.000 Hektar. Noch im April 2019 war das BMEL von 110.000 Hektar Schadensfläche ausgegangen.

Waldbrände
Deutschland verzeichnet die meisten Waldbrände seit 15 Jahren und mit 2.349 Hektar die größte Waldbrandfläche seit 26 Jahren.

Klimaschutzleistungen des Waldes
Im Holz der Bäume und in den Waldböden sind aktuell rund 2,5 Milliarden Tonnen CO2 gespeichert. Der Wald ist damit der größte Speicher von Kohlenstoff in Deutschland. Er entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 58 Millionen Tonnen CO2.

Die jährliche Speicherleistung des Clusters Forst & Holz (Speicher- und Substitutionswirkung) beträgt 127 Millionen Tonnen CO2, was 14 Prozent des jährlichen Ausstoßes der deutschen Volkswirtschaft entspricht. Damit haben die Wälder eine herausragende Bedeutung für den Klimaschutz: Eine Buche produziert so viel Sauerstoff, wie drei Menschen zum Atmen brauchen. Nadelbäume produzieren mehr Sauerstoff als Laubbäume. Junge Bäume produzieren mehr Sauerstoff als alte Bäume.

Besonders wirksam für den Klimaschutz ist es, wenn Holz anstelle von energieintensiven Rohstoffen wie Stahl, Aluminium oder Beton genutzt wird und zudem in begrenztem Umfang fossile Brennstoffe ersetzt. Gemessen an den CO2-Vermeidungskosten anderer Wirtschafts- und Lebensbereiche ist der Beitrag des Waldes, seiner nachhaltigen Bewirtschaftung und der Verwendung von Holzprodukten zum Klimaschutz für die Volkswirtschaft zudem außerordentlich positiv.

Während Klimaschutzleistungen in anderen Wirtschaftsbereichen sehr kostenaufwendig sind, fallen bei der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Holzverwendung dafür kaum zusätzliche Kosten an. Im Gegenteil, die Klimaschutzleistungen des Waldes, der Forstwirtschaft und der Holzverwendung sind systemimmanent Teil einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und tragen ihrerseits erheblich zum Gemeinwohl bei, zum Beispiel durch ihre Beiträge zum Einkommen und zur Arbeitssicherung in den ländlichen Räumen, zur Biologischen Vielfalt und zur Erholung der Bevölkerung. (Waldbericht der Bundesregierung 2017)

Das kleine Einmaleins des Borkenkäfers1:
Drei Arten von Borkenkäfern bedrohen gerade in Zeiten des Klimawandels die heimischen Nadelwälder:
1.    Buchdrucker: Der wichtigste und gefährlichste Schadorganismus. Befällt Stammbereich von mittelalten bis alten Fichtenbeständen.
2.    Kupferstecher: Bevorzugt dünnborkige Stammteile im Kronenbereich ältere Fichten und Jungpflanzen.
3.    Gestreifter Nutzholzborkenkäfer: Befällt eingeschlagenes Nadelholz und absterbende Bäume, Abbrüche und Resthölzer. Eine Gefährdung für die Wälder ist er aber nicht.

Wie kommt es zum Borkenkäferbefall?
Die Käfer reagieren auf Duftsignale geschädigter Bäume. Ein Pionierkäfer bohrt sich in die Rinde und sendet danach Pheromone zur Anlockung weiterer Artgenossen aus. Die Weibchen legen Eier. Nach Larvenfraß und Verpuppung schlüpfen die Jungtiere. Dieser Zyklus kann zwischen 7-10 Wochen dauern, was in der Regel 2-3 Generationen pro Jahr ermöglicht. In NRW sind im Extremjahr 2018 bis zu 4 Generationen beobachtet worden.

Geschätzt folgen aus der Brut eines Weibchens im Laufe der Vegetationsperiode zwischen 100.000 und 250.000 Nachkommen.

Warum sterben Bäume bei starken Borkenkäferbefall ab?
Larven und Jungkäfer fressen sich zwischen Borke und Splintholz durch den sogenannten Bast und durchtrennen die Leitungsbahnen, die die Baumwurzeln mit lebenswichtiger, in den Nadeln gebildeter Nahrung versorgen. Bei starkem Befall wird auch der Wassertransport in die Kronen so stark gestört, dass der Baum abstirbt.

Wann haben Borkenkäfer Hochsaison?
In der Vegetationsperiode von April bis September. Buchdrucker und Kupferstecher schwärmen im Frühjahr bei einer Temperatur ab 16,5° C aus.

Warum ist Eile geboten?
Weil auch gesunde Waldbestände bei hohen Käferdichten großflächig angegriffen und absterben können.

Aufgrund des hohen Vermehrungspotenzials kann zum Beispiel das Übersehen eines Käferbaumes zum Befall von mehr als 8.000 weiteren Bäumen noch im selben Jahr führen.

Eine Hochrechnung in NRW aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass aus der Borkenkäferpopulation eines einzigen Baumes eine potenzielle Nachkommenschaft von 1,5 Mrd. Käfer im Folgejahr entstehen kann.

Borkenkäferbekämpfung – was ist wirksam, sinnvoll, erlaubt?

In den 80-zigern Jahren hofften die Forstleute noch, dass man explosionsartige Borkenkäfermassenvermehrungen durch den Einsatz der damals weit verbreiteten schwarzen Borkenkäferfallen Herr werden könnte. Diese Fallen wurden im Falleninneren mit Pheromonen (Sexuallockstoffe) bestückt. Die angelockten Käfer wurden in einem Trichter aufgefangen und gezielt abgeschöpft. Über die Jahre hat sich jedoch wissenschaftlich erwiesen, dass diese in unseren Wäldern weit verbreitete Fangmethode nicht geeignet ist, um Massenvermehrungen zu verhindern. Oft entstanden an den Fallenstandorten sogar neue Befallsschwerpunkte.

Trotz vieler Versuchsansätze, neue Bekämpfungsstrategien zu entwickeln, sind die Maßnahmen einer „sauberen Waldwirtschaft“ am effektivsten:
1.    Idealfall: Unmittelbare Abfuhr nach Einschlag von Stammholz (Sägeholz für die Herstellung von Bohlen, Brettware, Latten usw.) und Industrieholz (für Herstellung von Spanplatten usw.) zum Käufer.
2.    Keine unmittelbare Abfuhr möglich:
Lagerung entrindeter Fichten im Wald bzw. in Rinde außerhalb des Waldes.
3.    Häckseln sowie Abdecken von Industrieholz mit schwarzer Folie.
4.    Sind diese Maßnahmen nicht durchführbar, kommt eine Polterlagerung inkl. Pflanzenschutzmitteln in Frage. Zugelassene Pflanzenschutzmittel sind derzeit: Fastac Forst, Cyperkill Forst, Karate Forst, Storanet.

Pflanzenschutzmittel / Zertifizierung:
Nach PEFC-Standards finden Pflanzenschutzmittel nur als letztes Mittel Anwendung. Vor einer Einzelstammbehandlung im Wald muss ein schriftliches Gutachten durch fachkundige Person erstellt werden.
Nach FSC-Standards werden Insektizide grundsätzlich nicht eingesetzt. Ausnahme: Bei Anordnung einer übergeordneten Behörde.

1 Praxisleitfaden Fichten-Borkenkäfer: Erkennen-Bekämpfen-Vorbeugen; Landesbetrieb Wald und Holz NRW