Integrationsvereinbarungen - Modellprojekt abgeschlossen

Teilnehmer/innen aus 18 Kommunen berichteten, dass ihnen das Modellprojekt und die wissenschaftliche Begleitung dabei geholfen haben, das Netzwerk der Integrationsakteure fester zu verknüpfen und ihre Integrationsarbeit vor Ort effektiver zu gestalten. Nicht so wichtig sei, ob mit den Migrantinnen und Migranten letztlich eine Integrationsvereinbarung unterschrieben wird, wenn jedenfalls eine gute Betreuungsarbeit („Case Management") der betreffenden Migranten erreicht wird. Der DStGB empfiehlt Städten und Gemeinden, vor allem von den Projektergebnissen zum vernetzten Zusammenwirken der Akteure zu profitieren.

Das Modellprojekt „Integration verbindlicher machen - Integrationsvereinbarungen erproben" begann im Jahr 2011 an 18 Modellstandorten. Ziel der Integrationsvereinbarung war es, neu hinzuziehende, aber auch bereits hier lebende Migranten zu begleiten, indem zunächst die Sprachkenntnisse und Qualifikationen der Migranten festgehalten werden, um auf dieser Grundlage festzustellen, welche Hilfe sie beim Spracherwerb, bei der Ausbildung, der Kinderbetreuung etc. benötigen. Da beide Seiten die Vereinbarung unterschreiben, sollte die Vereinbarung auch die verbindliche Zusage eines Migranten ermöglichen, die ihm gewährten Angebote auch zu nutzen. Die drei kommunalen Spitzenverbände hatten sich an den Ergebnissen der Erprobung interessiert gezeigt.

Nach Abschluss der Erprobung weist nun der Abschlussbericht eine Reihe von Bedingungen für den erfolgreichen Einsatz von Integrationsvereinbarungen aus. So enthält er Ausführungen zu folgenden Erfolgsbedingungen:

  • Vertrauen (Beratung „auf Augenhöhe")

  • Transparenz (den Ratsuchenden Schritte in ihrem Integrationsprozess aufzeigen)

  • Verbindlichkeit (verbindliches Arbeitsbündnis für den Beratungsprozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt

  • Flexibilität (Viele Klienten sind an der Lösung akuter Problemlagen interessiert und nicht an einem längerfristigen Beratungsprozess. In diesen Fällen ist der Einsatz einer Integrationsvereinbarung nicht sinnvoll)

  • Evaluation (gemeinsame Bilanz der Erfolge und Hürden und die Weiterentwicklung der Ziele ermöglicht es beiden Seiten, die Integrationsvereinbarung nutzbringend einzusetzen).

Im Projektverlauf zeigte sich, dass die erfolgreiche Arbeit der Migrationsberatungsstellen im Einzelfall nicht zuletzt davon abhängt, dass es gut funktionierende Kooperationsbeziehungen zu unterschiedlichen Akteuren gibt: Ausländerbehörden, Jobcenter, Sprachkursträger, Jugendämter sowie Akteure aus den Bereichen Wohnen oder Gesundheit. Ausländerbehörden sollten beispielsweise über die Migrationsberatungsstellen informieren.

Mit Blick auf die Weiterentwicklung und Optimierung der Kooperations- und Netzwerkbeziehungen, in denen sich die alltägliche fallbezogene und fallübergreifende Arbeit der Akteure im Integrationsbereich abspielt, enthält der Abschlussbericht Ausführungen über folgende Punkte, die als Erfolgsfaktoren identifiziert wurden:

  • Vernetzung - Wichtig ist, dass vereinbarte Ziele und reale Angebote miteinander verknüpft werden können

  • Persönliches Engagement -- Es liegt an den einzelnen Beteiligten, mit welcher Intensität das Netzwerk (mit)gestaltet wird.

  • Gemeinsame Ziele - Von der Netzwerkgründung bis zur Verstetigung: Gemeinsame Ziele spielen in jeder Phase der Netzwerkarbeit eine tragende Rolle und die Akteure im Netzwerk müssen regelmäßig über deren Aktualität reflektieren

  • Erkennbarer Nutzen des Netzwerks für die einzelnen Akteure - Für die Beteiligten muss sich regelmäßig der Nutzen für die eigene Praxis erschließen, sonst können sie nicht über lange Zeit im Netzwerk gehalten werden.

  • Konkrete Produkte und „Quick wins" - Für die am Netzwerk Beteiligten ist die gemeinsame Arbeit an konkreten Produkten - wie Flyer, Fachtage, Fortbil-dungen oder neue Angebote - wichtig, um den Prozess der Integration voranzutreiben und der Netzwerkarbeit ein konkretes Gesicht zu geben.

  • Verbindlichkeit und Verlässlichkeit der Arbeit - Vereinbarungen über Ziele und die daraus resultierenden Aufgaben aller Akteure, sowohl was die Netzwerkarbeit als auch den Transfer in die eigene Organisation angeht, müssen eine verbindliche Richtschnur der Netzwerkarbeit sein.

  • Klare Aufgabenstrukturen - Netzwerkarbeit ist für viele Beteiligte Zusatzarbeit. Daher ist es vielerorts eine Frage der Organisation und Aufgabenverteilung, ob ein Netzwerk existieren kann oder nicht.

  • Existenz und Akzeptanz von Netzwerkregeln - Sinnbildlich für den besonderen Charakter von Netzwerkarbeit im System sozialer Dienstleistungen ist es, dass die Akteure sich selbst eigene Regeln geben. die nicht von einer einzelnen Organisation dominiert werden.

  • Klarer Fokus auf Zielgruppe - Viele Migranten sind mehrfach damit konfrontiert, in unterschiedlichen Unterstützungskontexten ihre Geschichte offen legen zu müssen. Bedarfslagenorientierte Hilfe zwischen den Akteuren abzustimmen bedeutet dann nicht nur eine Verbesserung des Unterstützungsangebotes, sondern stabilisiert zugleich das Netzwerk.

  • Mitwirkung von Entscheidungsträgern - Um grundlegendere Regelungen zu treffen, Arbeitsabläufe verbindlich und fallübergreifend abzustimmen braucht es die Zustimmung der jeweiligen Leitungsebene der Einzelorganisationen. Innovative Ideen auf der operativen Ebene können nur dann implementiert werden, wenn auch die Entscheidungsebene in den Prozess eingebunden ist.

  • Erhaltung der Autonomie der einzelnen Akteure - Jenseits der Teilnahme am Netzwerk müssen die einzelnen Akteure immer auch autonom handeln können. Sonst besteht die Gefahr, dass diese das Netzwerk verlassen.

  • Überzeugungsarbeit nach „innen" - Um eine dauerhafte Struktur- und Ablaufgestaltung gewährleisten zu können, müssen innovative Ideen des Netzwerks in die Organisationen zurückgespiegelt werden.

  • Anbindung an bestehende Netzwerke - Da auf lokaler Ebene nahezu überall Netzwerke existieren, die die Problemsituation von Migranten thematisch auf-greifen und in denen mindestens Teilaspekte berücksichtigt werden, sollte ein übergreifendes Netzwerk diese Zusammenhänge mit in die Planungen einbeziehen.

  • Professionelles Netzwerkmanagement - eine effektive Netzwerkarbeit im Sinne des Aufbaus und der Stabilisierung von „Produktionsnetzwerken" setzt ein professionell operierendes „Netzwerkmanagement" voraus. Dessen Aufgaben bestehen u.a. in der Moderation von Netzwerktreffen, der Evaluation und Dokumentation der gemeinsamen Arbeit, der „Beziehungspflege" und der Vertretung des Netzwerks nach „außen".

Die Projektergebnisse zum Modellprojekt „Integration verbindlicher machen - Integrationsvereinbarungen erproben" werden von der Bundesregierung unter www.bundesregierung.de im Anschluss an die diesbezügliche Pressemitteilung vom 24.04.2013 zum Download bereitgestellt.