Klimaschutz

Kommunale Hitzeaktionspläne notwendig

Der Klimawandel führt zu immer mehr Hitzewellen – auch in Deutschland. Kommunale Hitzeaktionspläne werden angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen deshalb erforderlich. Das Bundesumweltministerium hat im März 2022 ein Sofortprogramm zur Klimaanpassung für Kommunen auf den Weg gebracht. Dort gibt es ein kommunales Beratungsangebot zur Entwicklung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen. Neben der wichtigen Beratung bedarf es einer auskömmlichen Förderung der baulichen innerstädtischen Anpassungsmaßnahmen: Flächenentwicklung, mehr grüne und blaue Infrastruktur, Dach- und Fassadenbegrünungen, öffentliche Trinkwasserspender, Nutzung von Cooling-Rooms oder auch Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in den Innenstädten (Schwammstadt-Prinzip) sind wichtige Bausteine. Wir müssen in den Städten grüne Klimaoasen etablieren. Dazu gehören Sitzgelegenheiten mit kühler Umgebung in der Stadt, auch Wasservernebler sind denkbar. Langfristig werden wir auch die Bebauung ändern müssen. In Ländern wie Spanien ist die Bebauung so angelegt, dass die Häuser sich gegenseitig beschatten. Das ist das richtige Modell. Auch Überlegungen den schwarzen Asphalt durch einen helleren Asphalt zu ersetzen, kann Temperaturreduzierungen bringen.

Im Zuge der Hitzeperioden kann es auch in Deutschland regional Wasserknappheit geben. Deshalb brauchen wir ein noch aktiveres Wassermanagement. Hierbei ist aber nicht die Knappheit des Trinkwassers das Hauptproblem. Deutschland verfügt über 180 Milliarden Kubikmeter an Wasservorkommen, von denen die kommunale Trinkwasserversorgung nur rund drei Prozent benötigt. Problematisch ist der drastisch steigende Wasserbedarf in der Industrie, in der Landwirtschaft, aber auch in Privathaushalten. Gerade die Gartenbewässerung und die Befüllung von großen Pools mit Leitungswasser in den Sommermonaten kann zum echten Problem werden. Auch Rasensprenger verteilt in einer Stunde bis zu 800 Liter Trinkwasser. Das kann die Versorgungsinfrastruktur in manchen Regionen an ihre Grenzen bringen. Wir müssen daher ein Bewusstsein schaffen für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Auch Privatpersonen sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Regenwasser auffangen. Die gute alte Regentonne sollte nicht abgeschafft, sondern reaktiviert werden. In Einzelfällen können auch kommunale Verwendungsverbote notwendig sein.

Zu einem aktiven Wassermanagement gehört nicht nur das Wassersparen, sondern auch die Wasserrückhaltung, wo möglich die Grundwasseranhebung, eine verstärkte Brauchwassernutzung und auch wassersparende Beregnungstechniken in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft ist gefordert, schon beim Anbau auf Pflanzen und Kulturen zu setzen, die mit weniger Wasser auskommen.

Je nach Region werden wir auch zusätzliche Verbundnetze und Fernleitungen benötigen, um die regionalen Unterschiede bei der Wasserverfügbarkeit auszugleichen. Sollten in bestimmten Regionen künftig Fernwasserleitungen erforderlich sein, muss allen klar sein: Leitungen, beispielsweise mit einer Länge von über 100 km, baut man nicht in ein, zwei Jahren. Wir brauchen deshalb auch ein Investitionsbeschleunigungsgesetz für die kommunale Wasserwirtschaft. Auch der Neubau von Talsperren darf kein Tabuthema sein, auch wenn die Planung und Umsetzung Jahrzehnte dauert.

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