Landsberg: "Wir werden die Lücke fast vollständig schließen"

Landsberg: "Wir werden die Lücke fast vollständig schließen"

 In einem Interview mit der Agentur "Herholz & Slangen" zeigt sich Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, zuversichtlich, dass zum Stichtag über 700.000 Plätze vorhanden sein werden und der Bedarf in den Städten und Gemeinden weitestgehend gedeckt sein wird.

Landsberg betonte, dass die Anstregungen über den 01. August hinausgehen müssten und verwies auf die Herausforderungen, vor allem im Hinblick auf die Gewinnung der notwendigen Fachkräfte sowie die künftige Finanzierung der Betriebskosten. 

Das Interview ist nachfolgend im Wortlaut wiedergegeben:

Frage: Teilweise wird geschätzt, dass in Deutschland noch rund 100 000 Kita-Plätze fehlen. Eine realistische Größenordnung?

Dr. Gerd Landsberg: Das scheint mir etwas hoch gegriffen zu sein. Ich glaube nicht, dass zum 1. August noch 100 000 Plätze fehlen werden. Nach meiner Schätzung haben wir in ganz Deutschland mehr als  700 000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage werden wir zum 1. August fast vollständig schließen können.

Frage: Flächendeckend, überall in Deutschland?

Landsberg: Nein. Es wird auch einzelne Kommunen geben, in denen Betreuungsplätze fehlen. Eltern wollen natürlich immer die Kindertagesstätte gleich um die Ecke. Wir werden hier nicht alle Wünsche erfüllen können. Der Rechtsanspruch garantiert einen Betreuungsplatz, aber nicht unbedingt einen in allernächster Nähe. Es kann auch sein, dass in einer Stadt alle Kita-Plätze belegt sind, den Eltern aber alternativ eine Betreuung ihrer Kinder bei Tagesmüttern angeboten wird. Auch damit wäre der Rechtsanspruch erfüllt.  

Frage: Rechnen Sie noch mit einer regelrechten Klagewelle von Eltern, die auf ihren Rechtsanspruch bestehen?

Landsberg: Einige Klagen wird es wohl geben. Aber wir rechnen nicht mit einer Klagewelle. Die Kommunen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Es gibt sogar in einigen Städten mehr Plätze als Anmeldungen. Im Übrigen setzen wir  auf das Verständnis der Eltern und werden dort wo es Probleme gibt flexible Lösungen erarbeiten.

Frage: Experten, Gewerkschaften und Sozialverbände klagen, dass die Kommunen zum Teil tricksen und Qualitätsstandards herunterschrauben, um den Rechtsanspruch mit Ach und Krach erfüllen zu können. Was entgegnen Sie?

Landsberg:
Wir haben das Argument oft gehört. Doch durch Wiederholung wird es nicht richtiger. Es gibt in den Bundesländern unterschiedliche Vorgaben für die Betreuungsschlüssel. Das ist keine Bundesangelegenheit, sondern Sache der Länder. Es stimmt: Wir haben in Deutschland zu wenig Erzieherinnen und Erzieher, weil die Ausbildungskapazitäten teilweise zu spät aufgestockt wurden. Es fehlen rund 15000 Fachkräfte. Das bedeutet aber nicht, dass die Qualität der Betreuung sinkt. Wir bleiben an die Vorgaben für die Personalschlüssel gebunden.

Frage: Werden Sie ungelerntes Personal, Bundesfreiwilligendienstleistende oder umgeschulte Arbeitslose einsetzen, um den Personalbedarf zu decken?

Landsberg: Wir setzen auf qualifiziertes Personal in den Kindertagesstätten. Dazu gehören aber auch zum Beispiel arbeitslose Sozialpädagogen die nachqualifiziert worden sind.  Es gibt natürlich die Weiterbildungen für Tagesmütter und Tagesväter mit einer Laufzeit von sechs bis acht Wochen. Das wird von den Eltern auch akzeptiert. Ich finde eher problematisch, dass jetzt alle denken, am 1. August sei alles gelaufen...

Frage: Was ist Ihre Sorge?

Landsberg: Die Zahl der jungen Mütter, die nach einer Babypause schnell wieder arbeiten wollen, wird weiter steigen. Das erhöht den Bedarf für Kinderbetreuung weiter. Deshalb dürfen Bund, Länder, Kommunen und Wirtschaft in ihren Anstrengungen nicht nachlassen. Wir erwarten, dass der Bund auch in Zukunft einen Anteil an den Kita-Betriebskosten übernimmt.

Frage: Die Politik denkt eher daran, die Kita-Beiträge zu streichen!

Landsberg: Das ist komplett falsch. Geringverdiener müssen ohnehin keine Elternbeiträge zahlen. Die Kita-Gebühren bringen jährlich rund drei Milliarden Euro ein. Das Geld brauchen wir dringend, um gute Kinderbetreuung zu gewährleisten. Ich sehe auch nicht ein, warum ein gut verdienendes Akademikerehepaar keine Kita-Beiträge zahlen soll.

Frage: Thema Betreuungsgeld: Das soll ab 1. August allen Eltern gezahlt werden, die für ihre kleinen Kinder keinen staatlich geförderten Betreuungsplatz in Anspruch nehmen. Sind alle Vorkehrungen für eine reibungslose Auszahlung getroffen?

Landsberg: Wir haben das Betreuungsgeld von Anfang an kritisch gesehen. Für uns haben Investitionen in die Betreuungseinrichtungen Vorrang. Die Auszahlung ist administrativ nicht trivial, da genau geprüft werden muss, wer die Voraussetzungen erfüllt und wer nicht.


Die Fragen stellte Rasmus Buchsteiner

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