Das Deutschlandticket hat sich in den letzten drei Jahren als bundesweit einheitliches und einfach nutzbares Angebot für Busse und Bahnen etabliert. Über 14 Millionen Menschen konnten für das Ticket gewonnen werden. Insbesondere dort, wo ein gutes Angebot besteht, profitieren Pendlerinnen und Pendler von einer spürbaren finanziellen Entlastung. Mit einem Ticket, einem Preis und ohne komplizierte Tarifzonen wurde ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung des öffentlichen Nahverkehrs erreicht. Auch die Digitalisierung des ÖPNV hat durch das Deutschlandticket einen deutlichen Schub erhalten.
Gleichzeitig löst das Deutschlandticket die strukturellen Probleme des öffentlichen Nahverkehrs nicht. Wir reden zu viel über den Preis und zu wenig über die Qualität des Angebots. Ein günstiges Ticket ersetzt keine Busse und keine Züge. Gerade im ländlichen Raum profitieren viele Menschen bislang nicht oder nur eingeschränkt, weil attraktive Angebote fehlen. Wo kein Angebot ist, verpufft auch das beste Ticket. Noch immer sind zahlreiche Regionen unzureichend angebunden; rund 120 Mittelzentren verfügen weiterhin über keinen Bahnanschluss.
Mit dem Deutschlandticket wurde ein einheitliches Dach für die bundesweite Nutzung von Bussen und Bahnen gebaut – aber das Fundament bröckelt. Der ÖPNV steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Kosten für Personal, Energie, Betrieb und Infrastruktur steigen massiv, während die Finanzierung des Systems nicht Schritt hält. Das muss sich ändern – durch eine auskömmliche, verlässliche und dynamisierte Finanzierung des ÖPNV.
Die bis 2030 zugesagte Finanzierung des Deutschlandtickets durch Bund und Länder schafft zwar Planungssicherheit für das Ticket selbst. Die Deckelung der Mittel bleibt jedoch ebenso problematisch wie der Mechanismus zur Preisdämpfung. Mehrkosten bei der Erbringung der Verkehrsleistung tragen die Verkehrsunternehmen und letztlich die Kommunen, die sich in einer Finanzkrise historischen Ausmaßes befinden. Deshalb drohen Angebotskürzungen, ausgedünnte Takte und verschobene Investitionen. Die Fahrgäste spüren dies unmittelbar – durch volle Züge, mangelnde Verlässlichkeit und sinkende Qualität.
Eine echte Verkehrswende gelingt nur mit einem leistungsfähigen und verlässlichen Nahverkehr. Bund und Länder müssen die Regionalisierungsmittel sowie die Mittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz deutlich erhöhen und insbesondere die Kommunen stärker unterstützen. Zudem muss der im Koalitionsvertrag angekündigte Modernisierungspakt ÖPNV endlich umgesetzt werden. Das Deutschlandticket muss durch ein echtes Deutschlandangebot ergänzt werden.
