Weltalphabetisierungstag

Die Zahlen sind alarmierend: 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren können laut einer Studie keine zusammenhängenden Texte lesen und schreiben, d. h. sie sind „funktionale Analphabeten“. Menschen mit Lese- und Schreibschwächen finden sich in allen Altersgruppen.


Das Lesen der Speisekarte im Restaurant ist unmöglich
Eine Speisekarte im Restaurant lesen oder ein Formular auf dem Amt ausfüllen – das sind für Betroffene meist schon unlösbare Aufgaben. „Ich habe meine Brille vergessen“ oder „meine Handschrift ist so schlecht, kannst du das für mich notieren?“ sind typische Ausreden von funktionalen Analphabeten. Der 47-jährige Buchautor Tim-Thilo Fellmer kennt diese Situationen. Er hat selbst erst im Erwachsenenalter lesen und schreiben gelernt: „Nachdem ich eine zeitlang Bildungskurse besucht hatte, konnte ich mich in meiner Umgebung gut orientieren und fühlte mich im Alltag endlich sicher. So hat für mich ein neues, selbstbewusstes Leben begonnen.“ Tim-Thilo Fellmer konnte sich einen Traum erfüllen und Kinderbuchautor werden. Er weiß: Es ist nie zu spät, lesen und schreiben zu lernen.

Angehörige und Kollegen können helfen
Der Entschluss, seine eigene Schwäche nicht mehr zu verdrängen und sich zu Lese- und Schreibkursen anzumelden, ist für Betroffene oft die größte Hürde. Angehörige im Freundeskreis oder Kollegen im Betrieb helfen am besten, wenn sie ihre Mitmenschen motivieren, selbst aktiv zu werden. Denn: Funktionalen Analphabeten als Freundschaftsdienst dauerhaft Schreib- oder Leseaufgaben abzunehmen, ist keine Lösung. Hilfsangebote finden Betroffene meist schon in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, zum Beispiel bei der örtlichen Volkshochschule. Zusätzlich informiert das ALFA-Telefon anonym und kostenlos über Lese- und Schreibkurse in der Umgebung: 0800 - 53 33 44 55.

Im Anhang finden Sie folgende weitere Informationen:
- Infografik: „Zehn goldene Regeln“ – Wie kann Betroffenen geholfen werden?
- Factsheet: Funktionaler Analphabetismus in Deutschland
- FAQ: Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Analphabetismus

Über die leo. – Level-One Studie:
Die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte leo. – Level-One Studie der Universität Hamburg (Februar 2011) zeigte, dass die Zahl der funktionalen Analphabeten zwischen 18 und 64 Jahren bei etwa 7,5 Millionen Erwachsenen liegt.

Über die Kampagne „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“:
Damit mehr Menschen Zugang zur geschriebenen Sprache finden, informiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem Serviceportal www.mein-schlüssel-zur-welt.de über funktionalen Analphabetismus. Die Online-Plattform ist eine Anlaufstelle für Menschen, die Betroffene im privaten oder beruflichen Umfeld vermuten. Telefonische Auskunft erhalten Menschen mit Lese- oder Schreibschwierigkeiten zudem kostenfrei unter 0800 - 53 33 44 55.

Im Zeichen des Analphabetisierungstages möchten wir auch auf den 12. bundesweiten Vorlesetag verweisen, der das Problem stärker in den Fokus der Öffentlichkeit bringen möchte. Weitere informationen zum Vorlesetag entnehmen Sie bitte unter: http://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Aktuelles/2015/Aufruf%20des%20Deutschen%20St%C3%A4dte-%20und%20Gemeindebundes%20und%20der%20Stiftung%20Lesen/

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