Nachhaltige Entwicklung entscheidet sich vor allem vor Ort. Beim High-Level Political Forum (HLPF) der Vereinten Nationen vom 7. bis 15. Juli 2026 in New York machten deutsche Kommunen deutlich, welchen Beitrag Städte und Gemeinden weltweit zur Umsetzung der Agenda 2030 leisten.
Unter dem Leitmotiv „Transformative, equitable, innovative and coordinated actions for the 2030 Agenda for Sustainable Development and its Sustainable Development Goals for a sustainable future for all“ standen in diesem Jahr insbesondere die Nachhaltigkeitsziele zu Wasser (SDG 6), Energie (SDG 7), Infrastruktur und Innovation (SDG 9), nachhaltigen Städten und Gemeinden (SDG 11) sowie globalen Partnerschaften (SDG 17) im Mittelpunkt.
Für die kommunale Familie in Deutschland ist das HLPF weit mehr als ein internationales Fachforum. Es verdeutlicht, dass die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele vor allem dort gelingt, wo Menschen leben, arbeiten und politische Entscheidungen unmittelbar spürbar werden - in den Städten und Gemeinden. Damit sind sie nicht nur Umsetzungsebene der Agenda 2030, sondern zentrale Mitgestalter nachhaltiger Entwicklung.
Neben mehreren Großstädten und Landkreisen waren mit der Gemeinde Lamspringe und der Stadt Geestland auch zwei Mitgliedskommunen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Teil der deutschen Delegation. Gerade ihre Teilnahme unterstreicht, dass nachhaltige Entwicklung keine Frage der Gemeindegröße ist. Auch kleinere und mittlere Kommunen zeigen tagtäglich, wie innovative Lösungen, Bürgernähe und pragmatisches Handeln einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele leisten können.

Ein Höhepunkt war die Übergabe des Voluntary Local Review (VLR) von Lamspringe durch Bürgermeister Wolfgang Humbert an UN-Generalsekretär António Guterres. Die Übergabe verdeutlicht die wachsende internationale Sichtbarkeit kommunalen Engagements. VLRs gewinnen weltweit an Bedeutung, da sie kommunale Fortschritte messbar machen, den internationalen Erfahrungsaustausch fördern und lokale Perspektiven stärker in globale Debatten einbringen. In Deutschland haben bereits über 20 Kommunen solche Berichte erstellt und damit wichtige Impulse für Transparenz und Vergleichbarkeit gesetzt.
Auch Geestland setzte beim HLPF ein starkes kommunales Signal. Bürgermeisterin Gabi Kasten sprach im Forum stellvertretend für Deutschland im Panel zu SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Sie verwies auf Fortschritte bei Mobilität und Stadtentwicklung, sprach aber zugleich offen eine der größten Herausforderungen vieler Kommunen an – den Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Ein Thema, das weltweit Städte und Gemeinden verbindet. Ob im Globalen Norden oder im Globalen Süden, die Schaffung von ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum gehört inzwischen zu den zentralen Fragen nachhaltiger Stadt- und Gemeindeentwicklung.
Globale Herausforderungen werden auf internationaler Ebene diskutiert – doch ihre Umsetzung geschieht lokal. Vor diesem Hintergrund haben die kommunalen Spitzenverbände gemeinsam mit den beteiligten deutschen Kommunen eine Positionierung zum HLPF vorgelegt. Kernaussage ist, dass globale Nachhaltigkeitspolitik nur erfolgreich sein kann, wenn Kommunen systematisch eingebunden, ausreichend finanziert und politisch stärker anerkannt werden. Viele Zielkonflikte der Agenda 2030 werden vor Ort sichtbar und müssen dort gelöst werden. Deshalb braucht es einen Wandel von punktueller Konsultation kommunaler Akteure hin zu einer verbindlichen Mitgestaltung in internationalen Prozessen.
Die Erfahrungen aus Lamspringe und Geestland zeigen exemplarisch, warum die Stimme kleinerer und mittlerer Kommunen auf internationaler Ebene unverzichtbar ist. Sie verfügen über eine besondere Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern, kennen lokale Bedarfe unmittelbar und sind häufig in der Lage, innovative Lösungen schnell und praxisnah umzusetzen. Der DStGB unterstützt dieses kommunale Engagement und setzt sich national und international für die Sichtbarkeit der kleinen und mittleren Kommunen ein – denn sie sind wichtige Botschafter einer kommunalen Perspektive, die in der Weiterentwicklung der Agenda 2030 und ihrer Nachfolgearchitektur sichtbar verankert werden muss.
