Ein Schwerpunkt war die Frage, wie die kommunale Daseinsvorsorge angesichts von Personalmangel, demografischem Wandel und steigenden Bürgererwartungen langfristig gesichert werden kann. Darüber diskutierten Johannes Pressl (Präsident des Österreichischen Gemeindebundes), Erich Szuchy (CEO BILLA Austria) und Ralph Spiegler (Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes) unter der Moderation von Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier.
Einigkeit bestand darin, dass die Herausforderungen der Zukunft nur durch eine enge Zusammenarbeit von Gemeinden, Unternehmen und Technologieanbietern bewältigt werden können. Künstliche Intelligenz und Automatisierung bieten erhebliche Potenziale zur Effizienzsteigerung und zur Entlastung von Mitarbeitenden bei Routineaufgaben, können den direkten Kontakt zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Verwaltung jedoch nicht ersetzen.
Für einen erfolgreichen KI-Einsatz seien qualitativ hochwertige Daten, einheitliche Standards und klare Zielbilder erforderlich. Besonders geeignet sind Anwendungen in der Verwaltung und Daseinsvorsorge, bei denen wiederkehrende Prozesse automatisiert werden können.
Die Diskutanten betonten zudem die Bedeutung von dezentralem Denken, stärkerer Vernetzung und einer besseren Nutzung kommunaler Datenbestände. Den Datenschatz, der in den Kommunen schon längst vorhanden ist, gelte es zu heben und nutzbar zu machen. Gleichzeitig werde aber der Mensch immer zentrale Ansprechperson für die Bevölkerung sein, während administrative Hintergrundaufgaben zunehmend digital unterstützt werden und somit „Hintergrundschreibtische“ sicherlich „wegrationalisiert“ werden. Die Gestaltung und Ausgestaltung einer erfolgreichen Mensch-Maschine-Interaktion werde dabei zu einer zentralen Zukunftsaufgabe.
Auch die Nahversorgung wurde thematisiert. Bürgerinnen und Bürger erwarten gute Erreichbarkeit, faire Preise, lebendige Ortskerne und ein funktionierendes Gemeinschaftsleben. Gleichzeitig stehen lokale Betriebe im Wettbewerb mit großen Einkaufszentren. Um die regionale Wirtschaft zu stärken, sind kreative Konzepte, eine effizientere Beschaffung, die Bündelung von Bedarfen sowie bedarfsgerechte Öffnungs- und Versorgungskonzepte erforderlich. KI kann dabei helfen, Einkaufs- und Beschaffungsmuster schneller zu erkennen und Prozesse wirtschaftlicher zu gestalten.
Von Filzmaier angesprochen, kurz ein Resümee zu ziehen, was die Voraussetzungen für einen Erfolg wären, wurden von den Diskutanten „Kommunale Selbstverwaltung stärken“, „Technologische Chancen pragmatisch nutzen“ und den „Bürger- bzw. Kundennutzen konsequent in den Mittelpunkt stellen“ genannt.
Internationaler Austausch europäischer Vertreterinnen und Vertreter
Die Gelegenheit zum internationalen Austausch im Rahmen der Präsidiumssitzung des Österreichischen Gemeindebundes wurde von den teilnehmenden Vertreterinnen und Vertretern aus Tschechien, Kroatien und Deutschland intensiv genutzt. Im Mittelpunkt standen gemeinsame Herausforderungen der kommunalen Ebene, aber auch der Austausch über erfolgreiche Lösungsansätze und Best-Practice-Beispiele.
An der Gesprächsrunde nahmen Mgr. Radka Vladyková, Geschäftsführerin des Tschechischen Städte- und Gemeindebundes, Mladen Puškarić, Geschäftsführer des Kroatischen Gemeindeverbandes, sowie Ralph Spiegler, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, teil.
Diskutiert wurden insbesondere die Finanzierung der den Kommunen übertragenen Aufgaben, die Weiterentwicklung und Anpassung sozialstaatlicher Leistungen sowie die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Dabei wurde deutlich, dass viele europäische Kommunen vor ähnlichen Herausforderungen stehen und vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch profitieren können.
Die Teilnehmenden bekräftigten ihren Wunsch, den internationalen Dialog fortzusetzen und derartige Formate künftig regelmäßig durchzuführen. Die nächste Gelegenheit hierzu bietet sich am 1. und 2. Oktober 2026 im Rahmen des Österreichischen Gemeindetages in Salzburg.
