Mit der am 16. Juli 2026 veröffentlichten Heimat-Agenda legt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erstmals ein umfassendes Grundlagendokument für die Heimatpolitik des Bundes vor. Die Agenda versteht Heimatpolitik als gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und Zivilgesellschaft und hebt Städte und Gemeinden als zentrale Partner bei der Umsetzung hervor. Konkrete neue Fördermaßnahmen werden daraus allerdings nicht abgeleitet. Aus Sicht des DStGB setzt die Agenda ein wichtiges politisches Signal. Entscheidend für erfolgreiche Heimatpolitik bleiben jedoch handlungsfähige Kommunen, die über eine nachhaltige finanzielle Ausstattung und verlässliche Förderinstrumente verfügen.
Unter dem Leitmotiv „Miteinander ist es Heimat“ beschreibt das BMLEH Heimat als Ausdruck von Zugehörigkeit, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt – in Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Die Agenda verfolgt das Ziel, Menschen in allen Regionen die aktive Gestaltung ihres Lebensumfeldes zu ermöglichen und damit gleichwertige Lebensverhältnisse zu stärken.
Inhaltlich konzentriert sich das Dokument auf drei Schwerpunkte: die Stärkung regionaler Identität und Kultur, den gesellschaftlichen Zusammenhalt einschließlich eines starken Ehrenamtes sowie die Sicherung wirtschaftlicher Perspektiven und einer leistungsfähigen Daseinsvorsorge.
Die Agenda betont die zentrale Rolle der Kommunen und erkennt deren angespannte Finanzlage als eine der größten Herausforderungen an. Positiv ist zudem die geplante Weiterentwicklung des Gleichwertigkeits-Checks für Bundesgesetze, durch den die Auswirkungen neuer Regelungen auf unterschiedliche Regionen und strukturschwache Kommunen stärker berücksichtigt werden sollen. Als wichtige Förderinstrumente für ländliche Räume benennt die Heimat-Agenda insbesondere die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK), das LEADER-Programm sowie weitere Förderangebote des BMLEH. Zudem sollen Heimatdialoge in den Kommunen und ein regelmäßiger Heimatreport den Austausch mit den Regionen stärken.
Der DStGB begrüßt insbesondere das klare Bekenntnis der Bundesregierung zu gleichwertigen Lebensverhältnissen sowie die Anerkennung der Kommunen als tragende Ebene erfolgreicher Heimatpolitik. Heimat entsteht vor Ort durch funktionierende Infrastrukturen, wirtschaftliche Perspektiven, gesellschaftlichen Zusammenhalt und attraktive Ortskerne. Dafür sind neben den Programmen des BMLEH auch Maßnahmen in den Bereichen Wirtschaft, Wohnen, Infrastruktur und Regionalentwicklung erforderlich. Heimatpolitik muss daher stärker ressortübergreifend gedacht werden.
Aus Sicht des DStGB müssen im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse die wirksamen Gemeinschaftsaufgaben GAK und GRW langfristig finanziell verlässlich ausgestattet werden. Ebenso wichtig bleibt eine starke europäische Kohäsions- und Regionalpolitik. Programme wie LEADER leisten einen wichtigen Beitrag zur Dorf- und Regionalentwicklung und stärken die Identifikation der Menschen mit ihrer Heimatregion. Dies muss auch im kommende EU-Haushalt gewährleistet bleiben.
Entscheidend auch für den Erfolg der Heimat-Agenda bleibt die finanzielle Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden. Die wichtigste Aufgabe der Bundesregierung besteht daher in der nachhaltigen Stabilisierung der Kommunalfinanzen. Nur starke und handlungsfähige Kommunen können eine erfolgreiche Heimatpolitik ermöglichen.
