Statement

Ballungsräume entlasten, Wohnraumpotenziale aktivieren

Der DStGB fordert Bund und Länder auf, noch in diesem Jahr ein Gesamtkonzept „Regionen stärken, Wohnraumpotenziale aktivieren“ zu erarbeiten, um der Wohnungsknappheit in den Ballungsräumen zu begegnen. Steigende Mieten und Wohnungsnot sind in immer mehr Städten ein sehr großes Problem. Wenn Bürgerinnen und Bürger keine bezahlbaren Wohnungen mehr finden, ist dies eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, das die Politik lösen muss.

In den vergangenen 15 Jahren sind die Mieten in Deutschland um rund 65 Prozent gestiegen, in den Ballungsräumen sogar um über 70 Prozent. Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Jedes Jahr fallen rund 55.000 Wohnungen aus der Sozialbindung, während mit 27.000 Wohnungen nur die Hälfte neu entsteht. Das bedeutet, dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

Gleichzeitig fehlen in Deutschland mehr als 800.000 Wohnungen und der Neubau stagniert auf niedrigem Niveau. Alle Bemühungen der vergangenen Jahre, für ein besseres Angebot an Wohnraum zu sorgen, sind offenkundig gescheitert. Die nun wieder populäre Idee einer Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen schafft keine einzige neue Wohnung, sondern bindet langfristig viel Kapital.

Deutschland muss das Thema Wohnen neu denken und nachhaltiger angehen. Dabei sollten wir den Fokus auf die Regionen abseits der Ballungsräume richten. Während in den Ballungsräumen Wohnraum fehlt, stehen in den ländlichen, vielfach strukturschwachen Regionen 1,9 Millionen Wohnungen leer. Mehr als 700.000 Wohnungen wären innerhalb der nächsten drei Monate bezugsfertig.

Wir erwarten daher, dass Bund und Länder nicht nur durch Mietpreisbremsen oder Wohnungsbauoffensiven an den Symptomen in den Ballungsräumen herumdoktern, sondern ein umfassendes Gesamtkonzept auf den Weg bringen. Es muss gelingen, die ländlichen Räume durch neue Verkehrswege, wie etwa neue oder reaktivierte Bahntrassen, besser an die Ballungsräume anzubinden und als Wohn- und Lebensräume insgesamt attraktiver zu machen. Gute Gesundheitsversorgung, erreichbare Nahversorgungsangebote, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und ein besseres Kultur- und Freizeitangebot können dazu beitragen, strukturschwache Regionen für die Menschen attraktiver zu machen. Das wird es nicht zum Nulltarif geben. Klar ist aber auch, dass für einen solchen nachhaltigen Umbau des Landes Mittel aus dem Sondervermögen zur Verfügung gestellt werden können. Der Effekt wäre groß: Nicht nur die Ballungsräume würden entlastet, sondern auch die Fläche nachhaltig gestärkt. Dies wäre mit bezahlbaren Mieten, einer wirksamen Strukturpolitik und einer wirklich nachhaltigen Strategie ein echter Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Deutschland. Statt aktionistischen Konzepten in einzelnen Bundesländern können Bund und Länder unser Land durch ein solches Gesamtkonzept einen großen Schritt nach vorne bringen.

 

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