Abschlussbericht

„Trittsicher in die Zukunft“: Erfahrungen aus dreieinhalb Jahren Projektlaufzeit 

Herr Stöger, was ist „Trittsicher in die Zukunft“ – und warum wurde das Programm ins Leben gerufen? Welche konkrete Lücke sollte das Programm schließen?

Sicher mobil sein, selbstständig bleiben und im eigenen zuhause wohnen - dies ist entscheidend für den Erhalt von Zufriedenheit und Lebensqualität, auch im Alter. Voraussetzungen dafür sind, Erkrankungen sowie Stürzen oder Knochenbrüchen vorzubeugen.
Besonders im ländlichen Raum ist es aber oft schwierig, geeignete Angebote zu finden. Genau hier setzt „Trittsicher in die Zukunft“ an: spezielle Bewegungskurse, die zuhause vertieft werden können, gezielt für ältere Menschen ab 65 Jahren im ländlichen Raum.

Wir, die SVLFG – Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sind ein starker Partner im ländlichen Raum und Motor für Prävention. Ziel ist es insbesondere unseren älteren Versicherten, aber auch allen älteren Personen im ländlichen Raum, mit diesem Angebot die Erhaltung ihrer Gesundheit aktiv zu fördern.

Das Programm startete im Jahr 2023. Gibt es bereits jetzt messbare Erfolge und konkrete Beispiele aus den Städten und Gemeinden?

Es gibt messbare Erfolge. Diese sind u.a., dass es eine gute, etablierte Infrastruktur an Übungsleitenden über die Deutschlandkarte hinweg gibt. Viele Kümmerer (Landfrauen, Vereins- und Kirchengruppen, Seniorengruppen) haben sich gefunden und organisieren Kurse. Damit dies niederschwellig passieren kann, werden oftmals die kommunalen Einrichtungen (Sporthallen, Kirchenräume, Gaststättennebenräume etc.) genutzt. Dieses Zusammenwirken aus Kümmerern und Infrastruktur macht das Projekt aus und ist Basis für den Erfolg. Alleine im Rahmen des Projektes „Trittsicher in die Zukunft“ konnten 229 Kursleitende und Multiplikatoren ausgebildet werden. Auch künftig sollen weiterhin Schulungen für Kursleitende angeboten werden. 224 Kurse wurden im Rahmen der Studie umgesetzt und bereits über 280 Kurse im Setting-Ansatz. Der messbare Erfolg zeigt sich unmittelbar vor Ort, wie Thomas Schmidt, ehemaliger Bürgermeister Stadt Teltow, berichtet: „Angebote wie „Trittsicher in die Zukunft“ sind ein Gewinn für die Menschen in den Städten und Gemeinden. Insbesondere mit Blick auf eine selbstbestimmte Gestaltung des Alltags und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, bieten Programme wie „Trittsicher“ einen großen Mehrwert. Die Trittsicher-Bewegungskurse sind eine sehr gute Ergänzung zu bereits bestehenden Angeboten in Teltow.“

Herr Handschuh, Kommunen und lokale Strukturen spielen eine wichtige Rolle bei der Verstetigung des Angebotes. Wie haben Sie im Rahmen des Programms die Städte und Gemeinden erreicht?

Es war von Beginn an entscheidend, die Städte und Gemeinden als aktive Partner in die Umsetzung des Programms „Trittsicher in die Zukunft“ einzubinden. Kommunen kennen die Bedarfe der älteren Menschen vor Ort am besten und verfügen über Netzwerke mit Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Senioreneinrichtungen und dem Gesundheitswesen. Zur Programmvorstellung haben wir gemeinsam mit der SVLFG 27 Regionalkonferenzen durchgeführt. Die Regionalkonferenzen dienten zur Information über das Programm insgesamt, über Kursaufbau und -inhalte sowie die Möglichkeiten zur Teilnahme und Umsetzung für Kommunen. Darüber hinaus wurde so die Basis für starke kommunale Netzwerke aus Haupt- und Ehrenamt geschaffen. Somit konnten wir über 700 Multiplikatoren in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreichen.

Was braucht es, wenn es darum geht, Programme wie „Trittsicher“ vor Ort zu verstetigen?

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei, den Kommunen keine fertigen Lösungen vorzugeben, sondern ihnen ausreichend Gestaltungsspielräume zu lassen. So konnten die Maßnahmen an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten angepasst und gemeinsam mit lokalen Akteuren weiterentwickelt werden. Unsere Erfahrung zeigt deutlich, dass nachhaltige Prävention vor allem dann gelingt, wenn sie vor Ort verankert ist. Kommunen übernehmen dabei eine zentrale koordinierende Rolle: Sie bringen die relevanten Partner zusammen, schaffen geeignete Rahmenbedingungen und tragen dazu bei, erfolgreiche Strukturen langfristig zu sichern.

Herr Stöger, das Programm umfasst neben einem konventionellen Kurs, ebenso einen digitalen, durch Angebote auf einem Tablet unterstützten, Bewegungskurs. Digitale Angebote und Anwendungen sind aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken. Wie wird das digitale Kursangebot angenommen?

Das digitale Angebot wird sehr gut angenommen. Die Teilnehmenden üben fleißig und melden die gute Nutzbarkeit der Anwendung zurück. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es gerade zu Projektbeginn viele kleine technische Probleme gab, die den digitalen Trainingsteil deutlich erschwert haben. Inzwischen sind diese Schwierigkeiten aber behoben und wir überlegen uns Szenarien, wie wir diese Trainingsinhalte auch in der Regelversorgung nach Projektende einsetzen können.

Projekte haben oftmals einen Endpunkt. Was passiert nach Projektende?

Das ist richtig. Zu einem Projekt gehört ein Endpunkt. Danach wird die Studie und das Projekt an sich evaluiert. Wir gehen von einem messbaren Erfolg aus, was uns bestärkt, die Verstetigung der Inhalte in der „Regelversorgung“ voranzutreiben. Wir sind in den letzten Zügen, das Gruppentraining bei der zentralen Prüfstelle für Prävention (ZPP) zertifizieren zu lassen. Dies ermöglicht, dass die Teilnehmenden die späteren Kursgebühren bei ihrer Krankenkasse erstattet bekommen. Für das digitale Training sind wir ebenso dabei, zukunftsfähige Lösungen zu finden. Wir wollen in jedem Fall den betriebenen Projektaufwand nicht einfach verpuffen lassen. Trittsicher soll tatsächlich in die Zukunft gehen.

 

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